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Die Meinungsfabrikanten

Im Profil # 39 2016 wird im Artikel Die Meinungsfabrikanten über österreichische Wirtschaftsforschungsinstitute berichtet. Barbara Kolm wurde für das Friedrich A. v. Hayek Institut befragt. Das vollständige Interview vom 21.9.2016 dürfen wir für Interessierte in Ergänzung zum Artikel hier zeigen.

 

Wofür braucht es das Hayek-Institut?
Das Friedrich A. v. Hayek Institut steht in der Tradition des Nationalökonomen Friedrich von Hayek und der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, die heute weltweit anerkannt ist. Wir entwickeln marktwirtschaftliche Lösungen für aktuelle volkswirtschaftliche Aufgabenstellungen wie zum Beispiel für die Sicherung des Unternehmens- und Arbeitsstandortes, Wettbewerbsförderung und Innovation sowie pro Bildung und gegen Armut.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal?
Wir sind der Meinung, dass einzig und allein eine prosperierende Wirtschaft die Grundlage des Wohlstands möglichst vieler Menschen sowie für eine positive Entwicklung der Gesellschaft schaffen kann. Je reicher und erfolgreicher eine Volkswirtschaft ist, umso mehr Kapital steht für Investitionen zum Nutzen der Allgemeinheit zur Verfügung.

Was macht das HI, was andere Wirtschaftsforschungsinstitute nicht machen?
Der Unterschied liegt eher im Wie als im Was. In unseren wissenschaftlichen Arbeiten und Lösungen sind wir der Marktwirtschaft verpflichtet. Daher betrachten wir überbordende Bürokratien und Handelshemmnisse als schädlich für die Wirtschaft und die Gesellschaft.

Sehen Sie das HI in einer Tradition anderer Think Tanks bzw. wissenschaftlicher Denkschulen im In- oder Ausland?
Die Österreichische Schule der Nationalökonomie findet international wesentlich größere Beachtung als in Österreich. Daher pflegen wir weltweit intensive Kontakte zu traditionsreichen Universitäten, renommierten Instituten und Think tanks. Der permanente Austausch führt dazu, dass allen an den Kooperationen Beteiligten ein immenser Pool an Ideen, erprobten Theorien und Thesen zur Verfügung steht.

Kritiker nennen Sie „neoliberal“. Wie würden Sie selbst die Ausrichtung Ihrer Arbeit bezeichnen?
Das Friedrich A. v. Hayek Institut ist liberal. Wir befürworten die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit von Menschen. Jeder soll zum Wohl der Gemeinschaft beitragen und dies auch ungehindert tun dürfen.

Ein anderer Vorwurf: Der radikale Liberalismus, wie Sie ihn mitunter propagieren, weichen von den Lehren Hayeks längt ab. Was meinen Sie dazu?
Liberal zu denken und zu handeln bedeutet Verantwortung zu übernehmen, zuallererst für sich selbst. Dies schafft erst die Voraussetzungen für altruistische Handlungen. Nur wer Verantwortung für sich selbst trägt, kann auch für andere verantwortlich sein, sofern diese dies wollen und zulassen. Bei einem Notfall im Flugzeug ist jeder Passagier gut beraten zuerst die eigene Sauerstoffmaske aufzusetzen und erst dann Mitpassagieren zu helfen.

Sie geben auf Ihrer Website kaum etwas über den Modus Ihrer Finanzierung bekannt. Warum nicht?
Auf der Homepage ist unser Finanzbericht zu finden. Diese Offenlegung entspricht den Vorgaben des Österreichischen Spendengütesiegels, das vom Hayek Institut mit Stolz geführt wird.

Wie finanzieren Sie sich? Wie hoch ist das jährliche Budget? Wie viel Unterstützung kommt von privaten Förderern/aus staatlicher Förderung?
Das Hayek Institut kommt mit weniger als 100.000 Euro pro Jahr aus, und diese Mittel stammen zu 100 Prozent aus Mitgliedsbeiträgen (ca 1/4), Spenden und Kooperationen (ca 1/2) und Einnahmen aus Buchverkäufen (ca 1/4). Es gibt keine staatliche Förderungen!

Sie sprechen auf Ihrer Website von „großen Sponsoren“. Wer sind diese und wie viel tragen sie bei?
In Österreich gibt es keine großen Sponsoren. Wir verstehen aber die ausländischen Institutionen, mit denen wir kooperieren als Sponsoren. Der Begriff Sponsoring bedeutet mehr als nur finanzielle Unterstützung. Als Beispiel darf ich die Kooperation beim jährlichen European Resource Bank Meeting nennen: Hier sind Dutzende marktwirtschaftlich orientierter Institutionen engagiert und jeder gibt, was er kann: der eine schickt tolle Redner, der andere stellt Tagungsräumlichkeiten zur Verfügung, ein Dritter übernimmt die Reisekosten von Studenten,…. genauso dürfen Sie sich das Sponsoring vorstellen, das es dem Friedrich A. v. Hayek Institut ermöglicht trotz eines Miniaturbudgets sehr aktiv zu sein.

Sie sprechen außerdem von zahlenden „Mitgliedern“. Wie viele davon gibt es und wie hoch sind deren Beiträge?
Das Hayek Institut zählt rund 300 Mitglieder. Die Mitgliedsbeiträge betragen 20 bis 150 Euro pro Jahr.

Sie haben (zumindest unter Finanzminister Grasser) Förderungen von öffentlichen Stellen bezogen. Beziehen Sie solche heute immer noch? Wenn ja, von welcher Stelle und in welcher Höhe jährlich?
Geld aus öffentlichen Mitteln hat es – wenn überhaupt – immer nur für konkrete Leistungen gegeben. Eine Analyse zu einem bestimmten Thema wurde vereinbart und ein Kostenbeitrag gegeben, eine Konferenz, die ein bestimmtes Problem behandelt wurde unterstützt. Diese Art der Förderung hat es lange vor meinem Eintritt in das Hayek Institut und also auch lange vor Grasser gegeben. Die letzten entsprechenden Verträge waren 2013 oder 2014 erfüllt. Und ich darf hinzufügen, dass sich das Institut ganz bewusst nicht um Aufträge bemüht, die den Eindruck von Subvention erwecken könnten.

Verträgt sich die Unterstützung durch staatlichen Einrichtung mit ihrem Verständnis von Unabhängigkeit bzw. der Schädlichkeit staatlichen Einflusses?
Wer eine ehrliche Meinung hören will,  muss Menschen fragen, von denen man annehmen darf, dass sie einem nicht „nach dem Mund“ reden. Da geht es um Vertrauen und Respekt. Arbeit muß natürlich bezahlt werden. Ganz allgemein steigt die Glaubwürdigkeit mit der Unabhängigkeit aber auch mit der auftraggeberseitigen Akzeptanz von unbequemen Antworten.

Wie stellen Sie sicher, dass die Unabhängigkeit von Ihren Spendern/Unterstützern gewahrt bleibt?
Wir werben nicht aktiv. Wem unsere Inhalte wichtig  sind,  der ist als Mitglied oder Unterstützer herzlich willkommen; die Themenhoheit liegt aber bei der Generalversammlung.

Gibt es Bereiche, in denen Ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse bzw. medial platzierten Forderungen von den Interessen Ihrer Spendern/Unterstützer abweichen?
Natürlich gibt es Kritik, die selbstverständlich auch ernst genommen und intern diskutiert wird. Und es kommt auch vor, dass Unterstützer sich abwenden oder Mitglieder austreten. Es ist aber sehr wichtig, diese Meinungen  zu hören und die Zusammenarbeit nicht an finanzielle Unterstützung zu knüpfen.

Manche Kritiker werfen Ihnen tendenziöse PR-Methoden vor, zB bei der Propagierung des sogenannten „Tax Freedom Days“. Was meinen Sie dazu?
Der Tax Freedom Day wird international von vielen Instituten berechnet und das Ergebnis publiziert. Es ist eine ausgezeichnete Methode, um die Staatsquote, also den vom Staat beanspruchten Teil der Wertschöpfung, begreifbar zu machen.

Wie viele Mitarbeiter hat das HI? Wie viele sind Vollzeit? Wie viele assoziiert? Wie viele wissenschaftlich/in der Verwaltung?
Das Hayek Institut hat keine Mitarbeiter in Dienstverhältnissen. Alle, die mehr oder weniger regelmäßig etwas beitragen, tun das aus Überzeugung. Das liberale Netzwerk ist groß und sehr vielfältig, es wird hart diskutiert und gelegentlich scheinen die Ansichten unvereinbar – aber wir alle brennen für die Sache!

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