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Österreich, ein Land mit hohem Risiko?

Photographie: (C) 2006 Wikimedia Commons.

Anfang dieser Woche veröffentlichte die Österreichische Nationalbank (OeNB) ihren 27. Finanzstabilitätsbericht. Kurz und prägnant fasst Matthäus Kattinger in der NZZ den OeNB-Bericht zusammen; eine Videodokumentation der Pressekonferenz ergänzt den Artikel im Detail.

Ist Österreich noch ein Land mit hohem Risiko? Immerhin kam Österreich in der ersten Hälfte des Jahres 2011 in die Schlagzeilen. Wegen des Exposure der österreichischen Banken in CESEE stünde die Bonität Österreichs auf der Kippe, meinte damals Paul Krugman.

Zweifelsfrei sind die österreichischen Banken und Unternehmen wirtschaftlichen und politischen Risiken auf europäischer und internationaler Ebene ausgesetzt, die Banken vor allem auf der Ebene Osteuropas.

Zu nennen sind

  • Die wirtschaftliche Erholung bleibt nach immer wieder positiv aufglimmenden Wirtschaftsdaten weiterhin harzig, sie hat sich in letzter Zeit sogar abermals etwas verschlechtert.
  • Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch wegen der hohen Besteuerung von Arbeitseinkommen wogt seit einiger Zeit eine öffentliche Debatte, ob hohe Einkommen und Vermögen verstärkt besteuert werden sollen. Es müsse umverteilt werden, um die Massenkaufkraft und damit die Wirtschaft zu stärken. Beiträge und Empfehlungen der UNO und des Weltwährungsfonds haben diese Auseinandersetzung beflügelt, das Piketty-Buch zur Geschichte der Vermögensungleichheit hat sie befeuert.
  • In der Tat mangelt es den österreichischen Banken an ausreichendem TIER-1-Kapital, auch wenn dieser Mangel derzeit nicht wirklich bedrohlich ist. Zudem hat sich die Liquiditätssituation der österreichischen Banken seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 immer mehr verbessert.
  • Die österreichische Wirtschaft ist recht stark abhängig vom Wohlergehen der deutschen Wirtschaft, aber auch von jenem der CESEE-Staaten.
  • In dieser Hinsicht veranlasst die politische Situation in Osteuropa einige Besorgnis, haben sich doch die Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union verschlechtert. Die Ukrainekrise beschert Österreich eine zerbrechliche, mit beträchtlicher Unsicherheit behaftete Situation.

 

Ist also Österreich nicht eigentlich ein unsicheres Land geworden? Die Österreichische Nationalbank verneint diese Frage, wenn sie auch ihre Antworten in Zurückhaltungen und allerlei Abwägungen verpackt: Österreich sei kein Land mit dermaßen hohem Risiko, dass es als Anleger, als Investor zu vermeiden gälte. Ganz im Gegenteil: Österreich stelle eine Volkswirtschaft dar, die noch immer vergleichsweise stark wachse, soziale Sicherheit und gute Aussichten aufweise.

In der Tat haben bestimmte Risiken, denen Österreich 2010, speziell 2011 ausgesetzt war, abgenommen; immerhin – so die OeNB – die

„… Entspannung auf den internationalen Finanzmärkten setzte sich in der ersten Hälfte dieses Jahres weiter fort. Die Staatsschuldenkrise klang weiter ab, was in rückläufigen Renditeaufschlägen zum Ausdruck kam“.

Zentralbank-Gouverneur Ewald Nowotny resümiert:

„Dies ging zum einen auf die Reformbemühungen der EU-Länder zurück, die unter anderem in der Beendigung der Finanzhilfeprogramme für Irland, Spanien und Portugal ihren Ausdruck fanden. Zum anderen trugen dazu die außerordentlichen Maßnahmen der Zentralbanken und die Fortschritte bei der Etablierung des einheitlichen Aufsichts- und Abwicklungsmechanismus im Euroraum bei. Dennoch blieb bis zuletzt eine erhebliche Fragmentierung der Kreditmärkte im Euroraum bestehen“

Dennoch bleiben für das österreichische Finanzsystem Herausforderungen bestehen, insbesondere für das Banksystem. Die OeNB stellt lapidar fest:

Die Profitabilität des konsolidierten österreichischen Bankensystems stand weiter im Jahr 2013 unter Druck. Erstmals in der jüngeren Geschichte verzeichneten die Banken 2013 ein negatives Jahresergebnis. Das operative Geschäft war weiterhin von einer vergleichsweise hohen Aufwand-Ertrag-Relation, auch aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsmarge, geprägt. Darüber hinaus wurde das Ergebnis durch Firmenwertabschreibungen bei Tochterbanken in Zentral-, Ost- und Südosteuropa (CESEE) sowie durch Verluste bei der Hypo Alpe Adria belastet.

Die österreichischen Banken erwirtschafteten im Jahr 2013 in CESEE insgesamt betrachtet weiterhin Gewinne, allerdings wurden diese nahezu zur Gänze von Firmenwertabschreibungen erodiert. Gleichzeitig konzentrierten sich die Gewinne auf wenige, jedoch sehr profitable Länder, was eine erhöhte Anfälligkeit der Banken für negative Entwicklungen in diesen Märkten impliziert. Die österreichischen Tochterbanken waren auch 2013 mit einer weiteren Verschlechterung der Kreditqualität in einigen Ländern konfrontiert.

Die Eigenmittelausstattung des österreichischen Bankensystems hat sich sowohl durch Kapitalerhöhungen als auch durch eine Reduktion der risikogewichteten Aktiva weiter verbessert. Im Jahr 2013 stieg die aggregierte Tier 1-Quote von 11,0 % auf 11,9 %. „Dennoch sind die österreichischen Banken im internationalen Vergleich nach wie vor unterdurchschnittlich kapitalisiert“, hielt Vize-Gouverneur Mag. Andreas Ittner fest. Um die Profitabilität und die interne Kapitalgenerierungsfähigkeit des österreichischen Bankensektors zu stärken, sollten Banken ihre Kostenstruktur weiter verbessern und die Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle weiter stärken.

Die Europäische Zentralbank hat zuletzt weitere Schritte zur Etablierung einer Bankenunion gesetzt. Noch vor wenig mehr als zwölf Monaten wurde das Gelingen dieses Projektes bezweifelt. Noch heuer – so die OeNB – wird die EZB gemeinsam mit den nationalen Aufsichtsbehörden eine umfassende Prüfung der Qualität der Aktiva (Asset Quality Review) und einen darauf aufbauenden Stresstest bei signifikanten Bankengruppen durchführen – noch vor Inkrafttreten der einheitliche Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism – SSM) im November dieses Jahres. So werden auch in Österreich sechs größere Institute überprüft werden. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Transparenz der Banken und das Vertrauen gegenüber ihnen zu erhöhen.

In Österreich wird die Zentralbank durch die neuen Aufgaben besonders beansprucht:

In Österreich wurde mit Beginn des Jahres 2014 die neue makroprudenzielle Aufsicht zur Stärkung der Finanzmarktstabilität eingeführt. Diese sieht die Möglichkeit des Einsatzes von Instrumenten zur Adressierung systemischer Risiken im Bankensektor vor. Im Zuge dieser Neuerung wurden auch die Finanzmarktstabilitätsaufgaben der OeNB erheblich ausgeweitet: Sie muss neben der laufenden Analyse von Entwicklungen am Finanzmarkt und dem Hinweis auf Systemrisiken nun auch Empfehlungen abgeben und Gutachten für den Einsatz konkreter Aufsichtsmaßnahmen erstellen.

In der der Präsentation folgenden Fragerunde forderten die Pressevertreterinnen und –vertreter detaillierte Daten zur Entwicklung des Engagements und speziell des Exposure österreichischer Banken in den CESEE-Ländern ein; sie hätten eine klare und zahlenuntermauerte Antwort auf die Frage bevorzugt, ob sich die Lage der Banken, ihr Exposure in den CESEE-Ländern im Vergleich zu Vorkrisenzeiten weiter verschlechtert oder verbessert habe. Die OeNB versprach, künftigen Stabilitätsberichten solche Zeitreihen beizugeben.

Ihr Dr. Michael Schüller

UPDATE: zuletzt 14. Oktober 2014, 10:52 anlässlich des Relaunchs  der Homepage des Hayek-Instituts

Weiterführende Informationen

Herausforderungen für das österreichische Finanzsystem bleiben bestehen – Präsentation des 27. Financial Stability Report der Oesterreichischen Nationalbank (Pressemitteilung der ÖNB mit weiterführenden Links, 07.07.2014, Wien)

Financial-Stability-Report – Full Version – PDF – 131 pages / 4,5 MB English only!

Folien zur Präsentation des 27. Finanzmarktstabilitätsberichtes (18 Folien, 893 kB)

Fakten zu Österreich und seinen Banken – Oesterreichische Nationalbank (OeNB)

Fakten zu Oesterreich | OeNB | April 2014 – 28-Seiten-PDF

Zur Finanzmarkstabilität allgemein (OeNB)

 

OeNB-Schleppende Konjunkturerholung in Österreich | Oesterreichische Nationalbank, 11.07.2014 | APA-OTS

 

Pressespiegel und Agenturmeldungen (Auswahl)

Herausforderungen für das österreichische Finanzsystem bleiben bestehen | Oesterreichische Nationalbank, 07.07.2014 | APA-OTS

EZB/Nowotny: Niedrigzinsen helfen Euroraum zu Wachstum zurück (Dow Jones)

Bericht zur Finanzstabilität in Österreich: Ertragsschwache und unterkapitalisierte Banken – Wirtschaft Nachrichten – NZZ.ch, 7. Juli 2014

EZB/Nowotny erinnert Ungarn an Notwendigkeit solventer Banken – Nachrichten – DIE WELT, 11. Juli 2014

OeNB: Faule Kredite fressen Banken-Gewinne auf | DiePresse.com, 7. Juli 2014

OeNB: Banken brauchten 44 Milliarden Euro seit 2008 für faule Kredite | 07.07.14 | finanzen.at

OeNB-Gouverneur Nowotny stellt Bankensteuer zur Diskussion | 07.07.14 | finanzen.at

Nowotny heizt Budgetstreit an: Bankensteuer zur Disposition gestellt – EU-Forderungen bedrohen Banken | DiePresse.com, 8. Juli 2014

Nationalbank-Bericht: „Osteuropa per Saldo positiv“ | KURIER.at, 7. Juli 2014

Österreichs Banken: 44 Milliarden für faule Kredite | Kleine Zeitung, 7. Juli 2014

OeNB: Zwei Drittel der Bankengewinne gehen für faule Kredite drauf « WirtschaftsBlatt.at, 7. Juli 2014

Zum Gouverneur der OeNB Ewald Nowotny

Ewald Nowotny – „Krisenerprobter“ Notenbanker wird 70 | 26.06.14 | finanzen.at

Zu Finanzmarkstabilitätsberichten allgemein

Lesen von Notenbankwälzern lohnt sich | Alle | News | CASh, 22. Juni 2014

Zum „Krugman-Sager aus 2011 pars pro toto

Krugman: Österreich droht die Pleite | Die Presse | 14. April 2014

Zur Problematik der Hypo Alpe Adria pars pro toto

Hypo: Ein Drama in 5 Akten | Dossier | Die Presse, 1. April 2014

 

Österreichischer Rentenmarkt – Derzeit (Stand 11. Juli 2014) bewerten Anleihe-Investoren Österreich – ungeachtet der „HAA-Debatte“ und ungünstiger Entwicklungen für Raiffeisenbank International sowie Erste Bank – als attraktiv, wie ein Blick auf den österreichischen Rentenmarkt im Vergleich zu dem deutschen, dem US-amerikanischen und anderen Märkten zeigt:

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2014-07-11T10:00:50+00:00

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