Rezension: Wer vermisst die schwedische Erbschaftssteuer?

Rezension: Wer vermisst die schwedische Erbschaftssteuer?

von Michał Perzyński

‘‘10 years without the Swedish inheritance tax – mourned by no one, missed by few’’ – lautet der volle Titel der Publikation von Anders Ydstedt und Amanda Wollstad, welche von Svenskt Näringsliv (Swedish Enterprise) veröffentlicht wurde. Es handelt sich um eine ausführliche Analyse der Ursachen und Auswirkungen der Aufhebung der Erbschaftssteuer, die 2004 einstimmig durch das ganze schwedischen Parlament (Riksdag) beschlossen wurde.

Beide Autoren sind Experten auf den Gebieten der Steuerberatung, Steuersystemanalyse und wirtschaftliche Freiheit.

Die Hauptaussage des Artikels beschränkt sich auf allgemeines Lob für diese Reform. Es kann sehr leicht gezeigt werden, dass es Dank der Aufhebung der Erbschaftsteuer zu einer enormen Mehrung von Wohlstand gekommen ist: Verbesserungen konnten in vielen Bereichen festgestellt werden. So wurden zum Beispiel die Bedingungen für die Gründung von Unternehmen erleichtert, besonders für expandierende und innovative Branchen. Außerdem wuchsen die Chancen, bessere Ausbildung zu erlangen, und -wahrscheinlich das wichtigste – es erleichterte die Schaffung von Vermögen.

‘‘Die Erbschaftssteuer gehört der Vergangenheit an‘‘ – behauptet einer der Untertiteln des Artikels. Es ist schwierig, dem nicht Recht zu geben, wenn man die Geschichte der Erbschaftssteuer – nicht nur in Schweden, sondern auch in anderen Ländern – analysiert. Nach ihrer Ersteinführung im Jahr 1915 erreichte die Erbschaftssteuer in Schweden im Jahr 1983 mit 70% ihren Höchststand erreicht. Seitdem kann man, Dank des kontinuierlichen Einsatzes von zahlreichen Experten, Wissenschaftlern und Politikern, eine fallende Tendenz beobachten – 1987 betrug die Erbschaftssteuer 60%, 1992 nur mehr 30%, 2004 wurde sie vollständig aufgehoben. 2014 geschah das Selbe in Norwegen. Auch in vielen anderen Ländern Europas, wie Deutschland, Belgien, Großbritannien und Finnland beansprucht dieses Thema im öffentlichen Diskurs immer mehr Platz. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diesbezüglich vollkommen neue Lösungen gefunden werden.

Aber: Wie hat die Erbschafssteuer eigentlich genau funktioniert? Und warum war es so wichtig, sie aufzuheben? Und welche langfristigen Auswirkungen hat dies mit sich gebracht?

Die Erbschaftssteuer wurde auf durch Vererbung erworbenes Eigentum, Erbschaften und manchmal auch auf Lebensversicherungen eingehoben. Die schwedische Erbschaftssteuer hatte für viele Unternehmer zahlreiche beschwerliche Probleme verursacht, weshalb sie ironisch als “Todessteuer“ bezeichnet wurde. Dennoch hatte sie nur einen äußerst kleinen Einfluss auf die Einnahmen des Staates (lediglich 2,5% der gesamten Einnahmen). Zu den negativen Auswirkungen der Erbschaftssteuer führen Ydstedt und Wollstad einige interessante Anekdoten an. Besonders vielsagend ist die Geschichte von Maud Spencer, die Geschäftsführerin von Svalson AB; ihre Firma beschäftigt sich mit der Produktion und dem Verkauf von elektronisch verstellbaren Fenstern. Ihr Vater, der die Firma mit seinem Schwager gegründet hatte, starb leider unerwartet in der Phase der Firmengründung. Die Erbschaftssteuer war zu der Zeit in Schweden immer noch relativ hoch, was dem jungen Unternehmen ernste Probleme bescherte. Frau Spencer musste ein Darlehen aufnehmen, um die Firma zu retten. Glücklicherweise kam die Svalson AB wieder auf die Beine und ist heute ein erfolgreiches Unternehmen.

Wegen der schwedischen Steuerpolitik haben sich auch viele größere Firmen, unter anderen IKEA und Tetra Pak, zur Auswanderung entschieden, was dem schwedischen Staatshaushalt große Einbußen beschert hat. Nach der Reform der Erbschaftssteuer hat, Göran Grosskopf – Vorstand von IKEA – gemeint, dass es aus heutiger Sicht besser gewesen wäre, den Firmensitz in Schweden zu belassen. Mittlerweile ist diese Ansicht ist unter den Privatunternehmern allgemein wieder weit verbreitet – Schweden hat als Wirtschaftsstandort viel seiner verlorenen Attraktivität wiedergewonnen.

Die Tatsache, dass der Staat auf seine unvernünftige Steuerpolitik verzichtet hat, ist nicht nur für Unternehmer, die die wegfallenden Steuerzahlungen nun für zusätzliche Investitionen verwenden können. Auch – sowohl interne wie externe – Rechtsberater können sich jetzt andere Aufgaben widmen. Steuerberatung ist seit der Reform ein wesentlich kleinerer Teil ihrer Arbeit geworden und es stehen mehr Ressourcen und Arbeitszeit für Innovationen und Marketing zur Verfügung. Auch führende Wissenschaftler schwärmen für die neue Gesetzgebung – sie bestätigen die enormen bisherigen Verbesserung und behaupten, dass das neue Gesetz das Wirken von Familienunternehmen massiv vereinfacht.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Ydstedts und Wollstads Arbeit ‘‘10 years without the Swedish inheritance tax – mourned by no one, missed by few’’ am Beispiel der Abschaffung der Erbschaftssteuer in Schweden deutlich darlegt, wie wichtig die Einfachheit und die Gerechtigkeit des Steuersystems für die wirtschaftliche Entwicklung eines Staates ist. Auch ist es interessant zu sehen, dass viele Beispiele für die positiven Auswirkungen der Abschaffung einer Erbschaftssteuer aus vielen Staaten gegeben werden. Am Ende stellt sich dann nur mehr die Frage: wenn es an so vielen Orten sehr gut ohne Erbschaftssteuer funktioniert, warum ist sie dann an so vielen Ort noch nicht ganz abgeschafft?

Sie können die vollständige Publikation 10 years without the Swedish inheritance tax – mourned by no one, missed by few” unter diesem Link (auf Englisch) aufrufen.

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