Als Anthony de Jasay im April 2013 im Friedrich A. v. Hayek Institut seine Philosophischen Betrachtungen präsentierte, war er fast 90 Jahre alt. Obwohl ihm das Reisen beschwerlich war und er unter schwindender Sehkraft litt, ließ er es sich nicht nehmen, seinen jährlichen Besuch in Wien einzuhalten, vorzutragen und Diskussionen zu führen.

Für die Mitglieder des Friedrich A. v. Hayek Instituts war das leider die letzte Gelegenheit, Anthony De Jasay persönlich zu begegnen. Bereits ab 2014 erlaubte seine Gesundheit den weiteren Austausch nur noch in Schriftform.

Mit de Jasay verlieren wir einen bedeutenden Vertreter der klassisch liberalen Tradition und einen außergewöhnlich orginellen Denker. Gerard Radnitzky bezeichnete ihn in seinem 2004 erschienenen Tribute to Anthony de Jasay –  A Life in the Service of Liberty als „den wichtigsten politischen Philosophen des zwanzigsten Jahrhunderts“, denn sein Werk ermöglichte entscheidenden kognitiven Fortschritt. Nur wenige hätten mehr für die Sache der Freiheit getan als de Jasay. Im Hayek Institut verlieren wir mit ihm auch einen guten Freund und Unterstützer, dem wir dankbar sind für seine wichtigen Lehren, sein großes Engagement und sein humorvolles Verständnis.

Der liberale Philosoph und Ökonom Anthony de Jasay kam 1925 in Aba, Ungarn zur Welt. Er studierte Agrarwirtschaft in Ungarn, war in den Jahren 1947-1948 als freier Journalist tätig und floh 1948 aus Ungarn. Nach zwei Jahren in Österreich wanderte de Jasay 1950 nach Australien aus. An der Universität von West-Australien setzte de Jasay  seine Studien im Fach Ökonomie fort. 1955 gewann er ein Stipendium nach Oxford. Nach einigen Jahren  als Forschungsassistent am Nuffield College und Veröffentlichung einer Reihe von Aufsätzen in Fachzeitschriften für Wirtschaftswissenschaften, war de Jasay ab 1962 im Bankwesen und ab 1979 im Anlagegeschäft sehr erfolgreich tätig. Zuletzt lebte und arbeitet de Jasay in Normandie und widmete sich der Philosophie, insbesondere Fragen der Wirtschaft.

Anthony de Jasay veröffentlichte mehrere Bücher, darunter The State (Indianapolis: Liberty Fund, 1998) und Justice and it’s Surroundings (Indianapolis: Liberty Fund, 2002). Seine Bücher und zahlreiche Artikel wurden in sechs Sprachen übersetzt und erschienen unter anderem im Economic Journal und dem Journal of Political Economy. Bis 2018 schrieb er eine monatliche Kolumne für Library of Economics and Liberty.

Im Hayek Institut sind Anthony de Jasays Sammelbände The State, Economic Sense and Nonsense, Poltical Economy, Concisely und Social Contract, Free Ride erhältlich.

Der hier veröffentlichte Artikel spiegelt die Meinung des Autors wider und nicht zwangsläufig die des Hayek Instituts.