Anmerkung: Aus Sicht der österreichischen Schule bezeichnet Inflation die Ausweitung (das Aufblähen) der Geldmenge. Im Zuge dieses Artikels wird deshalb das Symptom der Geldmengenausweitung – die Preissteigerung – nicht als Inflation, sondern eben als Preissteigerung bezeichnet.

Die EZB hat sich ein Preissteigerungsziel von 2% pro Jahr gesteckt. Um diese Preissteigerung zu erreichen, überflutet sie seit geraumer Zeit den Euroraum mit Geld. Seit der Einführung des Euro hat sich die Geldmenge TMS („True Money Supply“) in etwa verfünffacht, seit der Finanzkrise 2008 hat sie sich verdoppelt. Dass diese extremen Eingriffe ihre Spuren hinterlassen, sollte nicht verwundern.

Umverteilungseffekt

Die wundersame Vermehrung des Geldes ist nichts anderes als eine Schaffung zusätzlicher Eigentumstitel ex nihilo. Es werden nämlich de facto Kreditverträge geschlossen, bei denen es keinen Kreditgeber im Sinne einer soziologischen Betrachtung des Eigentums gibt – das bedeutet, dass vor der Vergabe des Kredits niemand über die Kreditsumme verfügt und dem Kredit daher kein vorhergehender Konsumverzicht gegenübersteht. Anders formuliert: Es gibt mehr Eigentumstitel, als es Eigentum gibt; und das führt beispielsweise im Fall von „Bank-Runs“ zu großen Problemen, da in einem solchen Fall ein großer Teil der Eigentumstitel nicht bedient werden können.

Diese Absurdität der Eigentumsdefinition im Geldwesen führt zu negativen technologischen Externalitäten, da die Geldproduktion mit einem Absinken der Qualität des bereits bestehenden Gelds einhergeht. Die Kosten der Geldproduktion trägt nicht die Zentralbank, sondern diese werden von allen Nutzern des Geldes getragen.

Die Kosten werden von den Nutzern des Geldes weder gleichmäßig noch proportional getragen. Entscheidend für die Frage, wer die Kosten der Geldproduktion trägt, ist, auf welchen Kanälen das neu geschaffene Geld in den Markt eintritt. Die ersten Nutzer des neuen Geldes müssen die geringsten Kosten übernehmen, da sie zu unveränderten oder nur geringfügig erhöhten Preisen kaufen können, und werden die Preise für die von ihnen nachgefragten Güter steigern. Die letzten Nutzer des neuen Geldes tragen die höchsten Kosten, indem sie nun mit – durch die Geldmengenausweitung ausgelösten – gestiegenen Preisen konfrontiert sind.[1]

Die ersten Nutzer des neuen Geldes sind meist Institutionen, deren Wertpapiere von den Zentralbanken als Sicherheiten akzeptiert werden. Darunter fallen v.a. Staaten, Banken und einige große Unternehmen. Es findet eine Umverteilung des Eigentums hin zu diesen Institutionen statt.

Auswirkungen auf das Sparvermögen

Die Inflation senkt über verschiedene Kanäle die Zinssätze. Vor allem geschieht das über die künstlich erhöhte Nachfrage nach Staatsanleihen und Wertpapieren, was zu höheren Preisen und damit geringeren Renditen für diese Papiere führt. Die verringerten Zinssätze führen zu einem verringerten Einkommen aus angespartem Vermögen. Wie groß der Verlust aus der Manipulation der Zinssätze ist, lässt sich nur abschätzen. Wenn man aber von einem „natürlichen“ Zinssatz von 4% ausgeht[2] und den Inflationsspread von 5% berücksichtigt[3], beträgt beim derzeitigen Nullzinsumfeld der tatsächliche Verlust durch die inflationäre Politik fast 9% pro Jahr. Folgende Grafik veranschaulicht den tatsächlichen Verlust bei den Sparguthaben anhand der oben genannten Szenarien: Szenario 1 zeigt die Vermögensentwicklung unter einem Zinssatz von 4% und einer Inflation von 2%; Szenario 2 unter einem Zinssatz von 0% und einer Inflation von 7%.

Der tatsächliche Verlust beträgt bei einem Guthaben von 10.000€ nach einem Jahr etwa 850€, nach 10 Jahren bereits über 7.000€. Anhand des Vergleichs der beiden Szenarien wird deutlich, wie groß das Ausmaß der Umverteilung aufgrund inflationärer Politik ist.

Moral hazard

Niemand sieht gerne seinem mühsam angesparten Vermögen beim Schrumpfen zu. Sparer werden daher tendenziell zu Anlageformen greifen, die eine Rendite versprechen, die zumindest den Wert der Ersparnisse zu erhalten. Da aber die inflationäre Politik zu einem Sinken der Renditen von relativ risikoarmen Wertpapieren führt – da diese, wie oben beschrieben, als Sicherheiten akzeptiert werden – werden die Sparer in Experimente mit risikoreichen Wertpapieren und Anlageformen getrieben. Die erhöhte Nachfrage nach risikoreichen Papieren lässt wiederum die Rendite auch dieser risikoreichen Anlageformen sinken. Im Ergebnis führt das dazu, dass in immer risikoreichere Projekte investiert wird.

Anreize

Die Anreize, die durch die Inflation gesetzt werden, sind langfristig sehr destruktiv. Es nimmt der Anreiz, Kapital anzusparen, ab. Weil Investitionen das Ansparen von Kapital voraussetzen, hat das einen negativen Effekt auf die Möglichkeit der Realisierung dieser Investitionen. Gleichzeitig wird der Konsum gefördert. Das führt auf Dauer dazu, dass die Bereitschaft, in der Gegenwart genügsam zu leben, um später ein besseres Leben zu haben oder nachfolgenden Generationen ein besseres Leben zu ermöglichen, zugunsten einer