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Crashkurs Geld: Ein Interview mit Andreas Marquart

Crashkurs Geld: Ein Interview mit Andreas Marquart

Andreas Marquart, Vorstand des Ludwig von Mises Institut Deutschland, hat im August sein neues Buch “Crashkurs Geld: Wie Sie vermeintliche Experten und Besserwisser aus dem Konzept bringen und die Hintergründe verstehen” veröffentlicht. Er hat sich dankenswerterweise unseren Fragen gestellt.

Das Buch:

Crashkurs Geld: Ein Interview mit Andreas Marquart

Ganz einfach gefragt: Um was geht es in Ihrem Buch Crashkurs Geld? Was war Ihre Motivation dafür, es zu schreiben?

Ich möchte mit meinem Buch aufzeigen, welch vielfältig negative Auswirkungen unser Geldsystem hat: auf die Volkswirtschaft selbst, auf die Vermögensverteilung in der Gesellschaft, auf das Verhalten der Menschen, dass es den Staat immer größer werden lässt, große Kriege möglich macht, und sogar die Umwelt unnötigerweise geschädigt wird und Ressourcen verschwendet werden. Und geschrieben ist das Buch so, dass es jeder verstehen kann, der es verstehen will. 

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass seit 1999 das BIP der Eurozone um 37 Prozent gewachsen ist, die Geldmenge jedoch um 170. Was für einen Effekt hat das auf unsere Wirtschaft?

Wenn die Geldmenge künstlich und aus dem Nichts ausgeweitet wird, setzt das einen künstlichen Boom in Gang. Durch ein Absenken des Zinsniveaus werden Investitionen rentabel und in Gang gesetzt, die ansonsten nicht rentabel und nicht begonnen worden wären. Ressourcen werden so nicht den dringendsten Bedürfnissen der Verbraucher zugeführt. Früher oder später stellt sich heraus, dass die Ressourcen nicht ausreichen, alle Projekte zu Ende zu führen und dass der Boom nur auf Sand gebaut war. Er bricht in sich zusammen. Dann ertönen sofort neue Rufe nach noch mehr billigem Geld. Die Krise, die eigentlich eine Bereinigung von Fehlinvestitionen bringen würde, wird nicht zugelassen. Die Volkswirtschaften werden mit zunehmender Verschuldung – nichts anderes drückt die steigende Geldmenge ja aus – immer abhängiger von billigem Geld. Jetzt sind wir an der Nullzinslinie angekommen. Die Spannung steigt.

Wie ändert eine lockere Geldpolitik die Finanzpolitik einer Regierung?

Eine lockere Geldpolitik verleitet Regierungen dazu, noch mehr Geld auszugeben, als sie es ohnehin schon tun. Sie schaffen es ja nicht einmal, dass die Staatsausgaben um die Höhe der eingesparten Zinsen sinken. Ein ohnehin vorhandenes Problem wird so noch verstärkt: Der Staat kann noch größer werden, als er sowieso schon ist und er gewinnt noch mehr Einfluss auf die Menschen, als er sowieso schon hat. Dass das letztlich zu Lasten der bürgerlichen Freiheiten geht, liegt auf der Hand.

Können Sie kurz auf den Effekt exzessiver Geldpolitik auf die Vermögensverteilung in der Bevölkerung eingehen?

Da ist zum einen zu nennen, dass diejenigen, die sich nahe der Geldentstehung befinden und neues Geld in Form von Krediten zuerst in die Hände bekommen, profitieren zu Lasten derjenigen, die das neue Geld erst später oder gar nichts davon erhalten. Außerdem profitieren ohnehin schon relativ Vermögende, weil vorhandene Aktiendepots und Immobilien im Preis von der Geldschöpfung nach oben getrieben werden. Von diesem Effekt hat der einfache Angestellte, der sein ganzes Einkommen konsumieren muss und häufig zur Miete wohnt, oder der Rentner, der mit seinem Geld gerade so über die Runden kommt, nichts. Das ist sozial ungerecht. Das Problem gibt es aber auch, wenn die Geldpolitik nicht unbedingt ‚exzessiv‘ ist, es tritt bei jeder Geldmengenausweitung aus dem Nichts ein. 

Sie beschreiben im Buch, dass das staatliche Papiergeld nicht nur negative Konsequenzen auf die Wirtschaft hat, sondern auch auf die Sozialpolitik, die Familienpolitik sowie Außenpolitik: Sie würde zu weniger Kindern, höheren Scheidungsraten, dem Bau der Elbphilharmonie Hamburgs und Kriegen führen. Mancher würde meinen, Sie würden alle Probleme der Welt auf ein Phänomen reduzieren.

Nein, ganz und gar nicht. Ich habe stets in meinem Buch angemerkt, dass es bei diesen Entwicklungen auch noch andere Einflussfaktoren gibt. Aber das Geld als Tauschmittel steht im Mittelpunkt all unserer wirtschaftlichen Trankaktionen. Es liegt also nahe anzunehmen, dass – ist das Geld krank, wie es nachweislich der Fall ist – sich auch die Gesellschaft infiziert und es zu Entwicklungen kommt, die es so ansonsten nicht gegeben hätte. Eine zunehmende Oberflächlichkeit, der Gegenwart mehr Beachtung zu schenken als der Zukunft, Neid, Neigung zu mehr Konsum, nicht mehr verzichten zu können oder zu wollen … das sind solche Phänomene, an denen unser schlechtes Geld zumindest eine nicht zu leugnende Teilschuld trägt und bei denen die meisten wohl keinen Zusammenhang mit unserem inflationären Geld sehen.

Eines der Ziele Ihres Buches ist es, dass der Kapitalismus nicht mehr als Sündenbock für all unsere wirtschaftlichen Probleme herhält – so heißt es auch in der Einführung. Inwieweit ist in Ihrem Buch jedoch die Politik – bzw. Zentralbank – der neue Sündenbock?

Ich mache die Zentralbank und die Politik nicht zu Sündenböcken, im Gegenteil, sie sind die wahren Schuldigen. Die Zentralbank, was die Geldpolitik betrifft. Und im gleichen Atemzug ist die Politik bzw. der Staat zu nennen, weil hier der gesetzlichen Rahmen für das herrschende Geldsystem geschaffen wird. Das Argument der Unabhängigkeit der Zentralbank bzw. die kosmetische Kritik, die man in letzter Zeit an der EZB ab und an von Seiten der Politik vernimmt, lasse ich nicht gelten. Der Staat trägt mit seinem Geldmonopol und der Organisation des Geldwesens die volle Verantwortung.

Wie könnten wir dem derzeitigen Dilemma in der Geldpolitik entfliehen? Was wäre eine Alternative?

Wir können diesem Dilemma sehr leicht entfliehen, in dem ein freier Markt für Geld geschaffen wird. Dafür müssen nur die Zahlkraftgesetze abgeschafft und beispielsweise Gold und Silber von jeglicher Steuer befreit werden. Dann kann der Wettbewerb zu wirken beginnen und durch Angebot und Nachfrage bestmögliches Geld hervorbringen, genau wie das in anderen Sektoren der Wirtschaft auch geschieht – erfolgreich geschieht. Es gibt keinen Grund, warum das bei Geld nicht funktionieren sollte.

Bevorzugen Sie eher ein System basierend auf Edelmetallen (also eine Rückkehr zum Goldstandard) oder wäre ein vollkommen freier Markt von Währungen wie es Hayek dargelegt hat besser?

Ich bevorzuge einen völlig freien Markt für Geld. Dann kann jeder Marktteilnehmer das Geld nachfragen, das er möchte. Vor einem Währungschaos bräuchten wir sicher keine Angst zu haben, wie manch einer jetzt vielleicht befürchten mag. Die Marktteilnehmer würden sich sehr schnell durch ihr Handeln auf ganz wenige Geldarten „einigen“, wahrscheinlich sogar nur auf eine einzige. Ziel ist es ja schließlich, zum gegenseitigen Nutzen zusammenzuarbeiten, miteinander Handel zu betreiben und das lässt sich am besten mit einem gemeinsamen Tauschmittel erreichen. Ohne einem Wettbewerb vorgreifen zu wollen, aber ich gehe davon aus, dass in solch einem Geldsystem Edelmetalle eine dominierende Rolle spielen würden, einfach weil Edelmetalle die Eigenschaften aufweisen, die ein Gut braucht, wenn es sich als Geld eignen soll. Edelmetalle sind knapp, homogen, haltbar, teilbar, transportabel, allgemein wertgeschätzt und haben einen relativ hohen Tauschwert pro Einheit.

Wir leben in einer global agierenden Welt. Inwieweit könnte ein einzelnes Land wichtige Schritte zu einem gesünderen Geldsystem gehen, ohne sich nicht selbst ins Aus zu schießen?

Das ist eben die Frage, ob sich ein solches Land wirklich ins Aus schießen würde. Wenn ein Land diesen Schritt ginge, würden die Marktteilnehmer die Währung dieses Landes mehr nachfragen relativ zu anderen Währungen. Das würde zu einer Aufwertung der jeweiligen Währung führen. Es würde Kapital ins Land fließen. Importe würden billiger. Ich höre aus Ihrer Frage ein bisschen heraus, dass es nachteilig ist, eine hoch bewertete Währung zu haben – gerade, was Exporte betrifft. Ein Beleg dafür, dass das ein Irrtum ist, ist die Schweiz. Nach dem Zusammenbruch des Bretton Woods Systems war der Schweizer Franken die einzige Währung, die noch mit Gold gedeckt war und hatte eine hohe Anziehungskraft für Anleger weltweit. Trotz der Stärke der Währung ist die Schweiz dennoch sehr wohlhabend geworden und hat sich nicht ins Aus geschossen. Auch die DM war stets stark und wir sind dennoch Exportweltmeister geworden. Die Wirtschaft über die Währung – also eine Abwertung – anzukurbeln, ist immer ein Nullsummenspiel. Die Exporteure gewinnen, aber die anderen im Land müssen die Zeche zahlen.

Welche Rolle könnten Cryptocurrencies wie Bitcoin bei der Gesundung unseres Geldsystems spielen?

Das wird sich zeigen. Es ist jedenfalls eine vielversprechende Entwicklung, die wir beobachten können und aus meiner Sicht ein klassisches Marktentdeckungsverfahren, bei dem wir Zeuge sein dürfen. Gegenwärtig können Kryptowährungen als Tauschmittel aus meiner Sicht noch nicht dienen, die Schwankungen sind noch zu groß, als dass damit eine wirtschaftliche Kalkulation möglich wäre. Als Assetklasse scheinen Kryptowährungen aktuell einen Platz gefunden zu haben.

Wir werden nicht von heute auf morgen zu einer freimarktwirtschaftlichen Geldordnung wechseln können. Was sind kurzfristige Lösungen, um die Situation zu verbessern?

Ich muss mich wiederholen. Schaffen wir einen freien Markt für Geld, dann sehen wir, was passiert. Die Papiergeldproduzenten, also die Staaten, haben die Zukunft dabei in der Hand. Disziplinieren sie sich, was die Geldvermehrung betrifft, dann muss es nicht zwingend zu einer flutartigen Flucht aus ihrer Währung kommen. Das ist eine reine Vertrauensfrage. Dass aufgrund der gegenwärtigen Geldpolitik in den Volkswirtschaften indes eine Bereinigungsrezession ohnehin immer wahrscheinlicher wird, daran dürften keine Zweifel bestehen.

 

Andreas Marquart ist Vorstand des Ludwig von Mises Institut Deutschland und Honorar-Finanzberater.

Die Fragen stellte:

Kai Weiß ist ein Vorstandsmitglied des Friedrich A. von Hayek Institut und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Austrian Economics Center.

Die Meinungen, die hier auf hayek-institut.at veröffentlicht wurden, entsprechen nicht notwendigerweise jenen des Hayek Instituts.

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