Freedom Fest: Strafzölle lassen nur Verlierer zurück

Seit Donnerstag hebt die EU für den Import von Stahl einen Schutzzoll von 25 Prozent ein. Eine Schutznahme für europäische Hersteller. Denn es besteht die Angst, dass nun alle Welt Europa mit Stahl überschwemmen könnte, weil die USA ihrerseits seit März mit Strafzöllen für den Import von Stahl und Aluminium in ihr Land (gegen die EU seit 1. Juni in Kraft) mächtige Hürden errichtet haben.

Eine weitere Eskalations-Stufe in Donald Trumps „trade war“? Frei nach dem Motto „Aug um Aug, Zahn um Zahn“? Der Handelsstreit der USA mit Europa steht erst am Anfang. Doch sollte sich die „Zollschlacht“, wie von Trump schon angedroht, etwa auf den Auto-Export ausweiten, schaut die Sache anders aus.

„Zölle einzuheben ist ganz sicher keine Lösung für die Zukunft, das ist ja nicht einmal mehr gemanagter Handel wie mit einem Handelsabkommen“, sagt Barbara Kolm, Direktorin des Austrian Economics Center mit Sitz in Wien. Und wie sieht man die sich langsam drehende (negative) Spirale in den USA abseits der handelnden Personen im Weißen Haus? Darüber konnte sich Barbara Kolm jüngst selbst bei einem „global economic summit“ im Rahmen des FreedomFest in Las Vegas ein Bild machen.

Dabei debattierte Kolm mit so prominenten Köpfen wie Steve Forbes (Verleger und Chefredakteur des Forbes-Magazin), Stephen Moore (Steuerexperte, Heritage Foundation), dem Investor und Autor Jim Rogers, Manager Rodolfo Milani und der senegalesischen Unternehmerin Magatte Wade am Podium. „Forbes ist der einzige, der noch keinen Handelskrieg sieht, der das als nicht so ernst zu nehmendes Trumpsches Geplänkel betrachtet“, berichtet Kolm.

Einig sind sich alle Diskutanten: sie halten den schon begonnenen Handelsstreit für völlig kontraproduktiv: Derartiger Protektionismus treibe letztlich für alle, für Produzenten wie Verbraucher in allen Ländern, die Preise in die Höhe. Am Schluss lassen Strafzölle nur Verlierer zurück. Verfestigen und weiten sich solche Handelsbeschränkungen aus, droht der Globalisierung, dem Freihandel wie wir ihn bisher kennen, ein Ende.

Für Magatte Wade, prominentes Beispiel der neuen Unternehmergeneration am afrikanischen Kontinent, gibt es einen positiven Aspekt bei der Sache: „Ich lade alle Investoren ein, jetzt nach Afrika zu kommen, hier gibt es spannende Orte um zu investieren.“ Der Streit der anderen eröffne, so Wade, eine Chance für Afrikas Wirtschaft und biete so etwa den Europäern eine willkommene Export-Alternative. Investor Jim Rogers hält Investitionen in die nachhaltige Landwirtschaft speziell in Afrika für besonders lohnend.

Adaptieren die Europäer den aktuellen nationalistisch, populistischen Kurs der Amerikaner? Diese Frage konnte Kolm, als die „Stimme Europas“ am Podium, klar verneinen: „Das lässt sich nicht vergleichen, das hat andere, nicht wirtschaftliche Gründe. Abgesehen davon, dass man im Ausland vielfach die Stimme der Vernunft mit Nationalismus verwechselt. Kritik am unbefriedigenden status quo und mangelnden Lösungen in der Migrationsfrage darf nicht mit Extremismus gleichgesetzt werden.“

Was viele in Europa als Nationalismus oder Rechtsaußen bezeichnen, sei in Wirklichkeit nur rational. Die Menschen sehen die Folgen von unkoordinierter Migration, von fehlendem politischem Weitblick. Neue Regierungschefs und -mitglieder wie Österreichs Sebastian Kurz und Heinz Christian Strache oder Italiens Matteo Salvini haben ein „anderes Verständnis von Kooperation als manch einer ihrer Vorgänger.“ Man unterstütze durchaus die EU, hinterfrage die Dinge aber kritisch.

Eines sehen die amerikanischen „opinion leader“ abseits des Handelskrieges an Donald Trump positiv: die bereits umgesetzte Steuerreform. Das sei eine gute Maßnahme gewesen, deren Effekte sich sofort bemerkbar gemacht haben: Die massive (Steuer-)Entlastung für US-Unternehmen habe viele neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Arbeitslosenrate in den USA sei damit so niedrig wie noch nie. Kolm: „Jede Regierung tut gut daran, mit solchen Maßnahmen, den Arbeits- und Wirtschaftsstandort zu stärken, das schafft Wohlstand für alle und produziert keine Verlierer.“

 

Foto: Lawrence Remiker

Der hier veröffentlichte Artikel spiegelt die Meinung des Autors wider und nicht zwangsläufig die des Hayek Instituts.
2018-07-26T16:45:55+00:00