von Rainer Fassnacht

Motiviert durch den Auftritt einer schwedischen Schülerin vor der Weltklimakonferenz im polnischen Katowice, demonstrieren derzeit deutsche Schüler aus über 100 Städten „gegen den Klimawandel“. Sie tun dies statt zur Schule zu gehen und fragen: „Warum sollten wir für eine Zukunft lernen, die nicht sicher ist“.

Die Begeisterungsfähigkeit der Mädchen und Jungen ist groß. Sie agieren in der festen Überzeugung, durch die Demos mehr Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken, und die Politik zu stärkeren Maßnahmen bewegen zu können. Die selbstgemachten Plakate und der Enthusiasmus in den Gesichtern unterstreichen den Ernst des Anliegens. Auch Freude ist auf den Gesichtern zu sehen, die Überzeugung, gemeinsam etwas zu bewegen und für eine bessere Zukunft einzutreten.

Die Jugendlichen möchten die Politik zu stärkeren Maßnahmen bewegen. Dahinter steht also der Glaube, der Hilfe „von Oben“ zu bedürfen. Der eigene Einfluss auf Fragen wie „Wie wird Strom produziert?“ oder „Wie sieht die künftige Mobilität aus?“ wird offensichtlich gering eingeschätzt.

Durch die Brille der österreichischen Schule gilt es, auf folgendes aufmerksam zu machen: Wer nach Politik – nach dem Staat – ruft, um Dinge zu verändern, fordert damit den Einsatz von Gewalt. Der Staat hat das Gewaltmonopol und kann dieses nutzen, um die weitere Entwicklung im gewünschten Sinne zu beeinflussen (so zumindest der Glaube der jugendlichen Demonstranten).

Doch wer nach dem Staat, also dem Einsatz von Gewalt ruft, sollte zuvor alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Wer nach dem Staat ruft, begibt sich selbst in die Rolle des Schwachen, des der Hilfe bedürftigen Menschen. In der Marktwirtschaft geht die Macht vom Verbraucher aus. Wenn zunehmend mehr Verbraucher nur noch „grünen Strom“ einkaufen, wird sich der Strommix verändern. Gleichzeitig wird sich die Gesamtstruktur anpassen, die Veränderung wird (mit geringem Risiko böser Überraschungen) erfolgen.

Der staatliche „Durchgriff“ auf die Stromproduktion wird demgegenüber mit einem hohen Risiko böser Überraschungen einhergehen, weil die Nebenwirkungen solcher Eingriffe nicht planbar sind. Gleiches gilt bei Mobilitätsentscheidungen. Dass Subventionen für den Kauf von E-Autos nicht abgerufen werden zeigt, dass es mehr bedarf, als ein „wir wollen es so“ der Politik.

Was hilft? Die Mädchen und Jungen auf den Fridays-for-Future-Demos könnten das gewünschte Ziel sehr viel besser und ohne Hilfe „von Oben“ erreichen, wenn sie selbst als Verbraucher das Verhalten ändern. Auf das eigene Umfeld, die Familie, den Freundes- und Bekanntenkreis einwirken. Die Sache in die eigene Hand zu nehmen und zu handeln statt zu demonstrieren.

Rainer Fassnacht ist selbständig. Außerdem ist er Mitglied im Freundeskreis der Ludwig-Erhard- Stiftung und im Ausschuss Wirtschaftspolitik der IHK Berlin.

Der hier veröffentlichte Artikel spiegelt die Meinung des Autors wider und nicht zwangsläufig die des Hayek Instituts.