von Nikolaus Muchitsch

Eines der Hauptwerkzeuge von Zentralbanken in der Geldpolitik ist das Festlegen des Leitzinssatzes. Im Falle einer Rezession senken die Zentralbanken den Leitzins, um es für Konsumenten und Unternehmen einfacher zu machen, Kredite zu nehmen. So werden, so behaupten die Zentralbanken, Ausgaben und Investitionen gefördert. Das gewünschte Ziel ist schließlich ein Ende der Rezession. Ungeachtet dessen, ob diese Theorie tatsächlich der Wahrheit entspricht, wurde diese Waffe im Zuge der letzten Rezession vor zehn Jahren großzügig eingesetzt. Die Leitzinsen wurden bis auf knapp über null Prozent gesetzt.

Während die Federal Reserve in den USA (sehr zum Missfallen von Präsident Trump) den Leitzins zuletzt bis auf 2,5 Prozent angehoben hat, hat sich der Leitzins im Euroraum seit der Krise nicht geändert und steht weiterhin auf null Prozent. Banken, die ihr Geld bei der EZB parken, müssen sogar Strafzinsen von 0,4 Prozent zahlen. Diese Situation sollte angesichts der sich verschlechternden Konjunkturaussichten in Europa auch in absehbarer Zukunft so bestehen bleiben.

Dadurch, dass nach der letzten Rezession keine Leitzinserhöhung vorgenommen wurde, besteht nun allerdings das Problem, dass sich die EZB für den Fall eines erneuten Wirtschaftsabschwungs einer ihrer potentesten Waffen geraubt hat. Nun hat sich jedoch der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einer neuen Idee gemeldet: Um in Zukunft auch Negativzinsen für Konsumenten möglich zu machen, soll der Bargeldverkehr massiv eingeschränkt werden.

Konkret schlägt der IWF die Einführung von Minuszinsen von bis zu drei Prozent pro Jahr vor. Ein Sparguthaben von 100 Euro wäre somit am Ende des Jahres nur noch 97 Euro wert (ohne Inflation noch zusätzlich mit einzuberechnen). Diese Maßnahme soll im Falle einer Rezession Konsum und Investitionen weiter fördern. Da rationale Menschen in einem solchen Fall ihr Vermögen aber einfach von der Bank abziehen und in Bar horten würden (da sie hier ja keine Negativzinsen zahlen würden), beinhaltet die IWF Idee zusätzlich noch einen Vorschlag zur massiven Einschränkung des Bargeldverkehrs.

Eine Option dafür wäre laut IWF eine Aufspaltung des Zahlungsverkehrs in ein elektronisches Zahlungsmittel (E-Money) und normales Bargeld. Für das E-Money, gelagert bei einer Bank, sollen Negativzinsen anfallen, gleichzeitig soll Bargeld pro Jahr ebenfalls in Höhe der Negativzinsen an Wert verlieren, ähnlich zur Inflation. Wenn man also bei Negativzinsen von 3 Prozent am Anfang des Jahres 100 E-Euros hat, hätte man nach 12 Monaten nur noch 97 E-Euros auf dem Konto. Der Clou: Hätte man 100 Euro in Bargeld, würde dieses so entwertet werden, dass man für die 100 Euro nach 12 Monaten nur noch Waren im Wert von 97€ bekommen würde. Der Effekt wäre laut dem IWF, dass das Bargeld „sowohl an Wert in Gütern wie auch E-Money verlieren würde und es so keinen Grund mehr gibt, weiterhin Bargeld zu halten.“

Diese Idee ist im Grunde nichts anderes als ein weiterer Angriff auf das Vermögen der Bürger. Seit Jahren leiden diese unter stiller Enteignung durch die Entwertung ihres Sparguthabens durch niedrige Zinssätze und Inflation. Am 26. April 2019 wurde zusätzlich der 500-Euro Schein abgeschafft, ein weiterer Schritt in Richtung Bargeldabschaffung im Namen von Terrorismus- und Steuerbetrugsbekämpfung. Der IWF denkt offensichtlich bereits über den nächsten Schritt nach.

Doch was, wenn ein Negativzins von 3 Prozent nicht ausreicht, um eine Rezession zu stoppen? Sobald der vom IWF vorgeschlagene Mechanismus implementiert ist, gibt es keine Grenze der Enteignung im Namen des Wirtschaftswachstums mehr. Bargeld wird heutzutage von allen Seiten angegriffen – die neuen Ideen des IWF zeigen dies wieder einmal. Es ist also essenziell, solche Initiativen sofort im Keim zu ersticken. Denn immerhin ist Bargeld Freiheit.

Nikolaus Muchitsch ist ein Praktikant beim Friedrich A. v. Hayek Institut und absolviert das Trainee-Programm der Industriellenvereinigung. Er besitzt einen BA in Business Administration von der University of York und einen MSc von der Erasmus University Rotterdam.

Lesen Sie die Englische Version hier: Austrian Economics Center