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Wie kommt man aus einer Wirtschaftskrise?

Wie kommt man aus einer Wirtschaftskrise?

von Kai Weiß

Fritz Machlup ist einer der bedeutendsten, aber gleichzeitig einer der vergessenen Anhänger der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Das ist verwunderlich, ist er nicht nur der letzte Österreicher, der unter Ludwig von Mises promoviert hat und eng mit Friedrich Hayek verbunden war, sondern auch, weil er nach seinem Umzug in die USA in den 1930er Jahren mehrere begehrte Lehrstühle inne hatte, darunter an der Johns Hopkins University und in Princeton. Auch von der US-Regierung wurde er längere Zeit als einer der Wirtschaftsexperten in den Staaten angesehen.

Mit seinem Führer durch die Krisenpolitik, welchen er während der Großen Depression, die 1929 begonnen hatte, vorlegte, wollte Machlup ein einfach verständliches Buch zur Wirtschaftspolitik anbieten – eine Art „Wirtschaft für Dummies“. Es wirkt zwar heute mehrere Jahrzehnte später das ein oder andere Argument und Anschauungsbeispiel etwas eingerostet oder zeitlich überholt. Da Machlup aber größtenteils permanente, zeitlose Prinzipien präsentiert, hat es immer noch eine überraschend große Relevanz für unsere eigene Zeit, in der wir ähnlich zu 1929 von Umwälzungen, Krisen und Ängsten betroffen sind.

Machlup realisiert, dass es bei Wirtschaftspolitik nicht darum geht, was man will – denn wir alle wollen ähnliche Dinge wie Wohlstand und Glück – sondern darum, wie man eben diese Ziele am besten erreichen kann. Sozialistisches oder planwütiges Wunschdenken, wie es damals wie auch heute gerne gepflegt wird, hat dabei nichts verloren – der Markt, nicht der Staat, ist Wohlstandsgarant, ob man das mag oder nicht.

Bei Krisen sollten Regierungen sich hüten, zu voreilig neue Regelungen durchzusetzen. Meistens verfehlen sie ihr Ziel, verschlimmern die Situation oder bevorzugen nur spezifische Bevölkerungsgruppen auf Kosten anderer: „Tausend und aber tausend Gesetze, Verordnungen und Verwaltungsakte sind das Ergebnis der krisenpolitischen Aktivität der Regierungen in den letzten Jahren. Gibt es auch nur eine Maßnahme, die wirklich (und unbestritten) geholfen – und nicht auch geschadet hätte?“ Machlup analysiert dabei unterschiedlichste Wirtschaftsbereiche und vorgeschlagene Instrumente, um wieder aus der Krise zu kommen, von der Steuer- zur Handels, der Kartell- zur Arbeitsmarktpolitik und das stets einfach verständlich und manchmal auch mit Humor.

Besonders auf geldpolitische Experimente blickt Machlup mit Skepsis. Eine zu lockere Geldpolitik trifft vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten, während sie Reicheren ermöglicht, sich weiter zu bereichern (etwas was man auch als Cantillon Effekt kennt). Ohnehin sollte man sich von der Geldpolitik möglichst wenig erwarten: „Für alle Reformen des Geldwesens gilt der Grundsatz: Niemals schafft das Geld den Reichtum der Volkswirtschaft. Ein schlechtes Geld (also beispielsweise ein Geld, dessen Menge zu schnell zunimmt) kann der Wirtschaft schaden, aber ein gutes Geld kann die Wirtschaft an sich nicht reicher machen.“ Diese Lehre ist heute für uns noch viel wichtiger: Geld – und Zentralbanken – schaffen keinen Wohlstand. Die Wirtschaft macht es – und das Geld wird entweder effizientes Tauschmittel, das dem nicht im Weg steht, oder Wohlstandsvernichter, wenn es kein stabiles Geld ist.

Es ist spürbar, dass Machlup ein Schüler von Mises ist – sowohl im Guten wie im Schlechten. So ist eines der wenigen Probleme des Buches, dass es wie fast alle Mises-Werke dem Ökonomismus folgt, also der Vorstellung, dass jegliche Überlegungen für Politik und Gesellschaft nur auf der Basis der Wirtschaft zu betrachten seien. So hat Machlup etwa kein Verständnis für diejenigen, die lieber auf dem Land oder im Vorort statt in der Großstadt leben wollen oder die eine Rückbesinnung zu einfacheren Lebenstilen fordern – immerhin sei das doch völlig ineffizient! Hier hätten sowohl Mises wie auch Machlup von ihren Freunden Hayek, oder Röpke lernen und so erkennen können, dass es auch andere Dinge im Leben gibt als nur die Wirtschaft.

Alles in allem ist das Buch aber einfach lesbar und besonders für jene, die ihr Grundwissen über die Wirtschaft entwickeln oder auffrischen wollen, Gold wert. Und es ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass Fritz Machlup, einer der einflussreichsten österreichischen Ökonomen des 20. Jahrhunderts – aber eben nur in den USA – es verdient hätte, dass man sich auch heute mit seinen Ideen beschäftigt.

 

Hinweis: Fritz Machlups „Führer durch die Krisenpolitik“ gibt es im Feber zum Aktionspreis!

Kai Weiß ist ein Vorstandsmitglied des Friedrich A. v. Hayek Institut und wissenschaftlicher Koordinator des Austrian Economics Center.

Die Meinungen, die hier auf hayek-institut.at veröffentlicht wurden, entsprechen nicht notwendigerweise jenen des Hayek Instituts.

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