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Ökonomie und Politik mit Messerblick

Ökonomie und Politik mit Messerblick

Staatlicher Zwang und politischer Interventionismus vertragen sich weder mit Freiheit noch mit Wohlstand, argumentiert Rainer Fassnacht.

Das Titelbild zeigt ein Taschenmesser, das zu den klassischen französischen Regionalmessern zählt. Sie sind unter dem Namen Coursolle oder auch Sujet-Messer bekannt. Die Figuren auf dem abgebildeten Exemplar zeigen Saat und Ernte beziehungsweise einen Mann beim Ausstreuen des Saatgutes auf der einen, und mit einer Sense auf der anderen Griffseite.

Es gibt eine Vielzahl von Motiven, beispielsweise aus der Berufswelt oder dem Sport, Autos und Tiere aber auch verschiedene Allegorien. Außerdem gibt es zahlreiche Ausstattungsvarianten. Einige haben nur eine Klinge, andere zusätzliche Werkzeuge wie Korkenzieher, Ahle und Ähnliches. Die Machart, die Auswahl der Sujets und auch der günstige Preis haben zu einer großen Verbreitung dieser Messer in Frankreich und darüber hinaus beigetragen.

Erstaunlicherweise kann uns dieses Taschenmesser viel über Ökonomie und Politik verraten, beginnen wir mit dem Offensichtlichsten:

Das Messer ist ein wirtschaftliches Gut

Im Alltag sprechen wir zumeist von einem Gut, wenn etwas für Geld ge- oder verkauft werden kann. Eine genauere ökonomische Definition lieferte Carl Menger vor über 150 Jahren in „Grundsätze der Volkswirthschaftslehre“, dem Standardwerk der Österreichischen Schule:

Damit ein Ding ein Gut werde, oder mit anderen Worten, damit es die Güterqualität erlange, ist demnach das Zusammentreffen folgender vier Voraussetzungen erforderlich:

  1. Ein menschliches Bedürfnis
  2. Solche Eigenschaften des Dinges, welche es tauglich machen, in ursächlichen Zusammenhang mit der Befriedigung dieses Bedürfnisses gesetzt zu werden
  3. Die Erkenntnis dieses Caussal-Zusammenhanges Seitens der Menschen
  4. Die Verfügung über dies Ding, so zwar, dass es zur Befriedigung jenes Bedürfnisses thatsächlich herangezogen werden kann.

Etwas ist also nicht aus sich heraus ein Gut, sondern wird es erst durch menschliche Wertschätzung. Wenn das Gut zusätzlich noch knapp ist, handelt es ich um ein wirtschaftliches Gut. Das ist bei Messern der Fall, sie fallen nicht vom Himmel oder wachsen wie Unkraut an jeder Ecke.

Tatsächlich sind echte nicht knappe Güter äußerst selten. Oft täuscht politische Intervention freie Güter vor, wo keine sind. Beispielsweise scheinen „kostenlose“ Kindergärten oder Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln freie Güter zu sein – doch in der Realität ist beides knapp.

Dieser „Fake“ hat Zwang, Verschwendung, Freiheits- und Wohlstandverlust zur Folge. Zwang, weil die Finanzierung durch Steuern und Umverteilung erfolgt. Verschwendung, weil das fehlende Preissignal zu einer überhöhten Nachfrage führt und die Bürokratie Kosten verursacht. Freiheits- und Wohlstandsverlust, weil dies (aufgrund der Unmöglichkeit einer korrekten Wirtschaftsrechnung) unvermeidlich ist, wenn der Markt ganz oder teilweise außer Kraft gesetzt und durch Planwirtschaft ersetzt wird.

Die Geschichte dieses Messers zeigt, Unternehmertum und kapitalistische Produktion schaffen Wohlstand

Schon im 17. Und 18. Jahrhundert waren Sujetmesser beliebt – doch nur wohlhabende Adlige konnten sich ein solches leisten. Die Motive wurden damals in aufwändiger Handarbeit in Elfenbein geschnitzt. Daher waren solche Messer selten und teuer.

Das änderte sich durch Léon Coursolle, einen Unternehmer, der zunächst im Textilhandel tätig war und dann in die Messerproduktion einstieg. Er kam auf die Idee, vom jeweiligen Motiv einen Bronzestempel zu fertigen und dann in Messingblech zu prägen. Damit konnten Sujetmesser seit 1902 preiswerter und in größerer Stückzahl produziert werden und waren nun auch ärmeren Menschen zugänglich.

Was hier am Beispiel des Messers zu sehen ist, trifft generell zu: Unternehmertum und kapitalistische Produktion schaffen Wohlstand. Doch was zeichnet Unternehmer aus, welche Motive treiben sie an? Wir kommen der Antwort näher, wenn wir auf die Funktion beziehungsweise die Aufgabe von Unternehmern schauen.

Ludwig Mises schrieb dazu in „Nationalökonomie. Theorie des Handelns und Wirtschaftens“:

Nur der kann Unternehmer werden und Unternehmer bleiben, der sich täglich von Neuem als vollkommenster Vollstrecker der Befehle der Verbraucher bewährt. Wer diese Prüfung nicht besteht, erleidet Verluste … Die Notwendigkeit, Gewinne zu erzielen, zwingt den Unternehmer, sich den Wünschen der Verbraucher, die auf dem Markte geäußert werden, so schnell und so vollkommen als möglich anzupassen.

Couperier Coursolle stellt noch heute preiswerte Sujetmesser her. Die Reliefmotive haben sich wechselnden Kundenwünschen und jeweils aktuellen Themen angepasst – so war selbst die Titanic auf einer Griffschale zu sehen. Auch technisch blieb die Entwicklung nicht stehen. Neben den unverändert erhältlichen einfachen Varianten gibt es heute auch breitere, schwerere und teurere, bei denen Platinen, Rückenfeder und Klingenrücken in aufwendiger Handarbeit guillochiert werden.

Profit machen nur Unternehmer, bei denen der Wert der geschaffenen Güter für den Kunden größer ist als die Kosten für die Produktionsfaktoren. Wer dies nicht schafft, verschwindet vom Markt – außer die Politik greift ein.

Politische Interventionen beispielsweise in Form von Subventionen oder Ge- und Verboten machen es möglich, dass auch unwirtschaftliche beziehungsweise wertvernichtende Unternehmen überleben. Es ist kaum zu glauben aber Realität, dass zwangsweise eingetriebenes Steuergeld eingesetzt wird, um Zombies am Leben zu halten und in der Konsequenz der Gesellschaft zu schaden.

Wer dem entgegenhält, dass die Politik bessere Ergebnisse liefern könne als der freie Markt, sollte sich die damit einhergehende Anmaßung von Wissen bewusst machen. Hayek warf 1945 in “The Use of Knowledge in Society” die dazu passende (hier übersetzte) Frage auf:

… wie kann die Kombination von Wissensfragmenten, die in verschiedenen Köpfen vorhanden sind, Ergebnisse herbeiführen, die, wenn sie absichtlich herbeigeführt werden sollten, ein Wissen auf Seiten des lenkenden Verstandes erfordern würden, das keine einzelne Person besitzen kann?

Die “Kombination von Wissensfragmenten, die in verschiedenen Köpfen vorhanden sind“ führt zu spontanen Ordnungen, die aus menschlichem Handeln hervorgehen aber nicht das Produkt zentraler Planung sind. Der Markt ist eine solche natürliche Institution.

Politische Interventionen gibt es auch beim Messer

Staatliche respektive politische Interventionen finden sich selbst beim Messer – dem ältesten Werkzeug der Menschheit. Das deutsche Messerrecht ist ein besonders extremes Beispiel der Irrationalität. Begründet werden die Einschränkung mit dem Risiko, welches von Messern ausginge. Fast reflexmäßig führen Messerangriffe zum Ruf nach weiteren Einschränkungen.

Derzeit dürfen in Deutschland feststehende Messer mitgeführt also in der Öffentlichkeit getragen werden, die eine Klingenlänge unter 12 cm haben. Klappmesser dürfen mitgeführt werden, sofern sie entweder keine Arretierung haben oder nicht mit einer Hand zu öffnen sind. Diese Regelung ist aus zwei Gründen unlogisch.

Erstens sind vergleichbare Messer mit nur geringen Unterschieden mal erlaubt und mal verboten. Ein Messer mit 15-cm-Klinge darf als Taschenmesser öffentlich getragen (geführt) werden, als feststehendes Messer jedoch nicht. Ein Taschenmesser, mit Griff und Klinge in identischer Länge, darf mit Arretierung und Öffnungshilfe nicht öffentlich getragen werden, fehlt eines von beiden ist es jedoch erlaubt.

Zweitens könnte man auch mit einer Miniklinge, einer Gabel oder einer Gürtelschnalle schwere Verletzungen verursachen. Das Risiko geht nicht vom Werkzeug aus, sondern vom Menschen, der etwas dazu einsetzt, andere Menschen zu verletzten. Wer Straftaten mit Messern reduzieren möchte, sollte daher ermitteln ob und welche Auffälligkeiten es bei den Tätern gibt und dort ansetzen. Das es anders geht beweist die Regelung in Österreich.

Die Schneidwarenindustrie in Deutschland hat einen Umsatz von annähernd 1,5 Mrd. Euro, schafft zahlreiche Arbeitsplätze und produziert absolut unverzichtbare Werkzeuge. Bereits die staatlichen Maßnahmen im Zusammenhang mit Corona sowie die Kostensteigerungen und Beschaffungsprobleme aufgrund internationaler Interventionen und der politisch gewollten Transformation, belasten die Margen. Kämen weitere staatliche „Messer-Interventionen“ hinzu, wird auch dieser planwirtschaftliche Eingriff mit Freiheits- und Wohlstandsverlusten verbunden sein.

Übrigens gibt es auch ein französisches Taschenmesser, dessen figürlicher Griff diesen Zusammenhang verdeutlicht. Es wurde in den 1930er Jahren für Werbezwecke der kommunistischen Partei produziert und kombiniert eine Klinge mit einem Griff aus Hammer, Sichel und rotem Stern. Die Kombination versinnbildlicht (ungewollt) die Verbindung zwischen Sozialismus und großen Einschnitten.

Das Messer zeigt, keine Ernte ohne Saat

Auch das Motiv des Titelbild-Messers gibt einen Hinweis auf Ökonomie und Politik. Das Säen und Ernten lässt sich auf den Unternehmer beziehen, der Güter in den Produktionsprozess einsetzt und diese damit dem Konsum entzieht.

Die Körner, welcher der Sämann ausstreut, um im Folgejahr eine Ernte einfahren zu können, könnten stattdessen auch im aktuellen Jahr gegessen werden (wobei dann auf die für Saatgut übliche Beizung verzichtet würde). Der Bauer ist ebenso Unternehmer wie seine „Kollegen“ in anderen Branchen, er trifft eine mit Risiken behaftete Entscheidung zum Mitteleinsatz.

In der aktuellen Politik werden die Landwirte meist nicht als lebensmittelproduzierende Unternehmer wahrgenommen, sondern als „ökologische Missetäter“. Auch wird die Frage der Lebensmittelproduktion politisch gern in Zusammenhang mit nationaler Selbstversorgung, Ernährungsgewohnheiten oder der Verteilungsfrage diskutiert.

Die öffentlichen Aussagen zahlreicher Politiker zu Unternehmen, Unternehmern und Unternehmertum zeigen, dass häufig keine, lediglich minimale oder vollkommen falsche Vorstellungen zu diesen Themen vorliegen. Dies trifft auch auf die Medien zu und reicht bis dahin, dass die Täter im Tatort überproportional oft Unternehmer sind.

Umverteilt werden kann nur das, was zuvor erwirtschaftet wurde. Verzichtet der Bauer auf die Aussaat oder der Unternehmer auf Investitionen, oder werden diese verringert, weil politische Eingriffe es notwendig machen, bleibt dies nicht ohne Auswirkungen.

Immer häufiger werden solche Entscheidungen nicht freiwillig von den Unternehmern getroffen, sondern politisch erzwungen. Wenn staatliche Regelungen dem Bauern verbieten Grünland- in Ackerland umzuwandeln oder bestimmte Flächen landwirtschaftlich zu nutzen, ist dies schlicht eine weitere Ausprägung staatlichen Interventionismus. Nicht anders verhält es sich, wenn politische Entscheidungen einzelne Kostenpositionen wie zum Beispiel Energie, kaum kalkulierbar machen.

Die Verbindung zwischen Interventionismus, dem Erwirtschaften und dessen Verteilung formulierte Mises im Buch „Liberalismus“ so:

Die Befürworter der Gleichheit der Einkommensverteilung übersehen nämlich den wichtigsten Punkt: daß nämlich die Summe dessen, was verteilt werden kann … nicht unabhängig ist von der Art und Weise, in der verteilt wird.

Nur weil unsere Gesellschaftsordnung die Ungleichheit des Eigentums kennt, nur weil sie jeden anspornt, soviel als möglich und mit dem geringsten Aufwand an Kosten zu erzeugen, verfügt die Menschheit heute über die Summe von jährlichem Reichtum, den sie nun verzehren kann.

Wird der Ansporn durch Interventionismus reduziert oder gänzlich beseitigt, wird weniger erwirtschaftet, die Ernte fällt entsprechend geringer aus.

Messerscharfes Fazit

Historische Entwicklungen – insbesondere die Ausbreitung der Marktwirtschaft – haben dazu beigetragen, dass wir uns heute Dinge leisten können, die früher nur Monarchen und wohlhabenden Adligen zugänglich waren – Sujetmesser gehören dazu. Die aktuellen Einschränkungen der freien Marktwirtschaft erodieren die Grundlagen dieser Erfolgsstory. Sie gefährden das bereits Erreichte und machen Angestrebtes zunehmen unerreichbar.

Der „Messerblick“ zeigt, das Wirken ökonomischer Gesetzte, aber auch, dass diese zunehmend ignoriert, beziehungsweise missachtet werden. Politische Interventionen also Machtentscheidungen und Planwirtschaft nehmen zu. Doch wir sollten bedenken, dass Markt, Freiheit und Wohlstand Hand in Hand gehen.

Staatlicher Zwang und politischer Interventionismus vertragen sich weder mit Freiheit noch mit Wohlstand. Bildlich ausgedrückt und an den erwähnten Sujetmessern orientiert lautet das Fazit: Lieber marktwirtschaftliche Saat und Ernte als planwirtschaftlicher Hammer, Sichel und roter Stern.

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Die Meinungen, die hier auf hayek-institut.at veröffentlicht wurden, entsprechen nicht notwendigerweise jenen des Hayek Instituts.

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