von Daniel Bunn und Elke Asen

Hohe Spitzensteuersätze bei der Einkommensteuer können sich negativ auf Einkommenserhöhungen auswirken. Auch können sie zu Abstimmung mit den Füßen führen, indem Individuen in Regionen mit niedrigeren Einkommensteuern ziehen. Österreich hat mit 55 Prozent ab einem Einkommen von € 1 Million derzeit einen der höchsten Spitzensteuersätze in Europa.

Die Einkommensteuer gibt es in Österreich bereits seit Jahrhunderten. Teilweise gibt es dazu nur wenig Literatur, jedoch konnten wir Information zur Höhe Österreichs Spitzensteuersätze für den Zeitraum 1898 bis 2018 und für einzelne davorliegende Jahre finden.[1]

Seit der Einführung des heutigen progressiven Einkommensteuersystems im Jahr 1898 ist der Spitzensteuersatz stark gestiegen. Während er im Jahr 1898 bei nur fünf Prozent ab einem Einkommen von zirka € 571.000 (gemessen in heutiger Währung) lag,[2] liegt er heute bei 55 Prozent ab einem Einkommen von € 1 Million.

 

Wir konnten auch Quellen für einzelne Spitzensteuersätze von den Jahren vor der Einführung des heutigen progressiven Einkommensteuersystems finden. In den Jahren 1799 und 1849 lag der Höchststeuersatz zum Beispiel bei 20 Prozent.[3] Im Jahr 1895 lag er bei 4,5 Prozent, bevor er im Rahmen einer Reform im Jahr 1898 auf 5 Prozent angehoben wurde.[4]

Am höchsten war der Spitzensteuersatz in den Jahren 1971 und 1972. Damals lag er bei zirka 63 Prozent. Dieser hohe Steuersatz folgte mehreren Erhöhungen in den davorliegenden Jahren und wurde zu einer Zeit eingeführt, in der die Einkommensteuer eine wachsende Steuerquelle des österreichischen Staates darstellte. Der Spitzensteuersatz blieb bei über 60 Prozent bis er im Jahr 1989 im Rahmen einer Reform auf 50 Prozent gesenkt wurde.

In einer aktuellen Studie haben wir Reformvorschläge für das österreichische Steuersystem ausgearbeitet, die die Steuerlast senken und die Wettbewerbsfähigkeit steigern würden. Die ambitionierteste Option wäre die Einführung einer Flat Tax von 20 Prozent, die auf einer breiten Bemessungsgrundlage erhoben wird. Eine andere Option wäre das Streichen des Spitzensteuersatzes, während das progressive Steuersystem mit einem Höchststeuersatz von 50 Prozent beibehalten wird. Auch sollten politische Entscheidungsträger Steuerklassen indexieren, um die kalte Progression zu vermeiden, und die Besteuerungsform von Ersparnissen verbessern.

Die Einkommensteuer hat eine lange Geschichte in Österreich. Dieser historische Überblick soll politische Entscheidungsträger dazu veranlassen, zu hinterfragen, ob der Spitzensteuersatz nicht schon zu lange zu hoch ist.

Daniel Bunn ist der Direktor für Globale Projekte bei der Tax Foundation.

Elke Asen ist Praktikantin bei der Tax Foundation.

[1] Der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer wurde den folgenden Quellen entnommen:
1898 – 1913:Rudolf Sieghart, „The Reform of Direct Taxation in Austria,“ The Economic Journal 8, Nr. 30 (Juni 1898), 173-182, https://www.jstor.org/stable/2957358?seq=1#page_scan_tab_contents.
1914 – 1919: Otto Szombathy, „Die österreichische Einkommensteuerreform von 1914,“ FinanzArchiv / Public Finance Analysis 32, Nr. 2 (1915), 101-189,