|

Report: Es kann nie zuviel Mises geben

Report: Es kann nie zuviel Mises geben

Victoria Schmid

Mises im Hayek Institut

Heuer jährt sich das Erscheinen von Ludwig von Mises’ bahnbrechendem Werk Gemeinwirtschaft zum hundertsten Mal. Das Buch wurde lange bevor die zahlreichen Fehler des sozialistischen Experiments empirisch bewiesen waren geschrieben und zeigte bereits damals, warum ein solches Wirtschaftssystem nicht einmal in der Theorie funktionieren kann. In den letzten hundert Jahren hat sich viel getan, aber es lohnt sich, Mises’ wichtigen Text erneut zu lesen – und zwei Veranstaltungen haben Mises die Aufmerksamkeit verschafft, die er verdient.

Report: Es kann nie zuviel Mises geben

Die erste Veranstaltung, die am 30. November im Hayek-Institut stattfand, zog über 50 Teilnehmer an. Die Gründe dafür lagen auf der Hand: Strafsteuern, extreme Inflation und verschiedene andere Maßnahmen, die Mises als “Destruktionismus” bezeichnete, sind heute in aller Munde. Scott B. Nelson moderierte die Diskussionsrunde mit drei Rednern, die die verschiedenen Facetten von Mises’ Werk beleuchteten: historisch, wirtschaftlich und philosophisch.

Report: Es kann nie zuviel Mises geben

Alexander Linsbichler, Dozent für Philosophie und Wirtschaft an der Universität Wien, stellte seinen Vortrag über Mises in den breiteren Kontext der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Linsbichler zählte die charakteristischen Merkmale der Österreichischen Schule auf: ihre Vertreter sind weit mehr als nur Ökonomen; es gibt eine echte Diskussionskultur, die aus den intellektuellen Kreisen im Wien des frühen 20. Jahrhunderts entstand; und der Schwerpunkt liegt auf Wissen und seinen Grundlagen. In allen drei Aspekten war Mises vorbildlich.

Report: Es kann nie zuviel Mises geben

AEC/HI Senior Research Fellow Martin Gundinger analysierte die wirtschaftlichen Aspekte von Mises’ Werk, insbesondere die Schwierigkeit wirtschaftlicher Berechnungen in einem sozialistischen Regime. Das Problem liegt darin, dass die subjektive und individuelle Natur der Wertvorstellungen der Verbraucher nicht beachtet wird. Es ist daher unmöglich zentral zu planen, welche Produkte in welchen Mengen produziert werden sollten. Darauf aufbauend schloss Gundinger mit einer Übersicht über die verschiedenen Formen des Destruktivismus, die Mises in Gemeinwirtschaft beschrieb: Arbeitsgesetzgebung, Sozialversicherungspflicht, Gewerkschaften, Arbeitslosenversicherung, Sozialisierung, Besteuerung und Inflation.

Report: Es kann nie zuviel Mises geben

Wolfgang Wein, Lead Consultant bei W&W Pharmaconsult GmbH, konzentrierte sich auf die philosophischen Aspekte und argumentierte, dass die Philosophie von Mises eine Form des rationalistischen Utilitarismus darstellt. Wein setzte Mises in Relation zur breiteren Philosophiegeschichte und argumentierte, dass viele der schädlichen Politiken und Perspektiven, die heute in Mode sind, auf eine falsche materialistische Philosophie zurückzuführen sind. Das Gegenmittel ist Mises’ Idealismus, der die Freiheit des Einzelnen, die Kreativität, die Vernunft, den Wettbewerb und die Vielfalt der Menschen betont.

Report: Es kann nie zuviel Mises geben

Nach den Vorträgen folgte eine lebhafte, intensive Diskussion mit dem Publikum. Eines der wichtigsten Themen der Veranstaltung, das sowohl von den Podiumsteilnehmern als auch vom Publikum hervorgehoben wurde, war die Bedeutung von Ideen. Mises schließt sein Buch Gemeinwirtschaft mit der Feststellung: “Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Ideen. Denn es sind Ideen, Theorien und Doktrinen, die das menschliche Handeln leiten, die die Ziele der Menschen bestimmen und die Wahl der Mittel, die zur Erreichung dieser Ziele eingesetzt werden.” Er hätte in diesem Zusammenhang auch auf die Unverzichtbarkeit der Beeinflussung der Jugend durch Ideen hinweisen können.

Mises im IES Vienna

Und genau das war das Ziel der zweiten Veranstaltung, die am 2. Dezember im Antonio Vivaldi Saal des IES Vienna stattfand. Im Rahmen der ersten Zusammenarbeit zwischen dem Austrian Economics Center, dem Hayek Institut und dem IES Vienna, einem Auslandsinstitut für amerikanische Studenten, wurden über 60 Studenten der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät eingeladen, an diesem Mises Seminar mit Workshop teilzunehmen.

Report: Es kann nie zuviel Mises geben

Die dreistündige Veranstaltung begann mit einleitenden Bemerkungen von Scott B. Nelson, der auf einige der Probleme hinwies, mit denen die jüngere Generation heute konfrontiert ist, und dass Mises eine hilfreiche Perspektive bieten könnte. Martin Gundinger und Alexander Linsbichler erläuterten dann die wirtschaftlichen bzw. moralischen Argumente für den Kapitalismus. Gundinger führte die Schüler durch das Kalkulationsproblem, das für Mises’ Argumentation so wichtig ist, erklärte die Bedeutung von Privateigentum und den grundsätzlich subjektiven und individualistischen Charakter einer vernünftigen Wirtschaftswissenschaft.

Report: Es kann nie zuviel Mises geben

Alexander Linsbichler faßte einige Argumente zusammen, die in der Literatur zugunsten des Kapitalismus vorgebracht wurden, und kategorisierte sie nach  Konsequentialismus oder nach Appellen an die Autorität. Mises’ eigenes Argument für den Kapitalismus beruht teilweise auf der Überlegenheit des Kapitalismus bei der Sicherung von materiellem Wohlstand, den sich viele Menschen auf der Welt wünschen. Im zweiten Teil seines Vortrages wieß Linsbichler auf Studien hin, die eine Korrelation zwischen wirtschaftlicher und größerer politischer Freiheit und höherem Wohlstand belegen.

Report: Es kann nie zuviel Mises geben

Ausgestattet mit diesen Überlegungen teilten sich die Studenten in kleinere Workshop-Gruppen auf, um unter Anleitung tiefer gehende Themen zu diskutieren – nämlich Demokratie und Gleichheit, wirtschaftliches Handeln, Spekulation, kapitalistische Ethik, Steuern und Inflation sowie die Rolle des Staates. Nach den Workshops, kamen sie wieder zusammen, um Helmut Hojesky, Leiter der Abteilung VI/1 Klimapolitik-Koordination im österreichischen Bundesministerium, über den Klimawandel und die jüngste Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh (COP27) zu hören. Hojesky betonte in seinem Vortrag die Dringlichkeit des Themas und wies auf einige der Schwierigkeiten hin, einen Konsens zwischen so vielen nationalen Regierungen zu erreichen.

Report: Es kann nie zuviel Mises geben

Den letzten Programmpunkt bildete eine Diskussionsrunde mit Wolfgang Mölzer, IES Wien Business and Economics Coordinator, AEC/HI-Researcher Simon Sarevski, Helmut Hojesky, Martin Gundinger, Alexander Linsbichler und Scott B. Nelson.

Report: Es kann nie zuviel Mises geben

Sehen Sie hier die Aufnahmen aus dem Hayek Institut:

For privacy reasons YouTube needs your permission to be loaded. For more details, please see our Datenschutz.
I Accept
For privacy reasons YouTube needs your permission to be loaded. For more details, please see our Datenschutz.
I Accept

Die Meinungen, die hier auf hayek-institut.at veröffentlicht wurden, entsprechen nicht notwendigerweise jenen des Hayek Instituts.

Gefällt Ihnen der Artikel?

Das freut uns! Unterstützen Sie uns, wenn Sie mehr solcher Artikel lesen möchten:


Warning: Undefined array key "visual_appearance" in /hayek-institut.at/subdomains/www/html/wp-content/plugins/give/src/Views/Form/Templates/Classic/Classic.php on line 203

Das interessiert Sie vielleicht auch:

DIESEN ARTIKEL TEILEN!
JETZT ZUM NEWSLETTER ANMELDEN!

Sendinblue Newsletter