„Fachwissen selbst ist in keiner Weise gefragt.“

So provokant eröffnete DI Klaus Albrecht seinen Vortrag, den er am 05. Juni im Rahmen des monatlichen Center Right Coalition Meetings im Wiener Hayek-Saal hielt. „Politik gegen Physik – Probleme der Energiewende“ beleuchtete die nach Ansicht des Referenten falsche Darstellung wissenschaftlicher Fakten im öffentlichen Diskurs um die Energiewende, wobei nicht alle Anwesenden mit seiner Argumentation einverstanden waren.

Acht Jahre ist der Unfall in Fukushima her, seitdem spricht man von einer Energiewende. Klaus Albrecht beginnt seinen Vortrag mit genau diesem Geschehen. Am 11. März 2011 entstand ein Tsunami, der die japanische Küste traf und das Atomkraftwerk Fukushima zerstörte. Kurze Zeit nach dem Unglück beschloss die deutsche Bundesregierung den Atomausstieg für das Jahr 2022. Eine kurzsichtige Entscheidung, wie Albrecht findet, denn solche Tsunamis seien „in Europa, außer an der portugiesischen Atlantikküste, nicht denkbar.“  

Später erläuterte Klaus Albrecht, dass in dem betrachteten Zusammenhang der Begriff der Energiewende ohnehin völlig unzutreffend sei und man eher von einer „Stromwende“ sprechen müsse, denn für die gesamte Diskussion sei eigentlich nur „Österreichs Kampf gegen die Atomenergie der Hintergrund.“ Dass im Jahr 1978 in Österreich das Volk gegen die Kernenergie abstimmte, ist für Albrecht unverständlich. Obwohl Österreich in keiner plattentektonisch gefährlichen Lage liegt, hat sich das österreichische Volk paradoxerweise gegen die Kernkraft entschieden. Daraus folgte nicht nur die Nichtinbetriebnahme des Kernkraftwerkes Zwentendorf, sondern auch das Gesetz, das weit über das Ergebnis der Volksabstimmung hinausging:  man beschränkte die Forschung auf diesem Gebiet. Für den Naturwissenschaftler ist das schwer verständlich, „denn Forschen bedeutet sich Wissen zu verschaffen, um dann entscheiden zu können, ja oder nein“.

Aber auch die Ausführungen zu anderen Themen (teilweise nur am Rande erwähnt), weckten im Kreis der Zuhörer Widerspruch. Es schien für Klaus Albrecht müßig zu sein über erneuerbare Energien zu sprechen, da seiner Meinung nach Anlagen für erneuerbare Energie zum einen keinen so hohen Wirkungsgrad erzielten, zum anderen, weil von dem kostenlosen Input (Sonneneinstrahlung, Wind, Wasserkraft, …) nicht so viel genutzt werden kann, wie bei Anlagen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden.

Auch sei ja überhaupt nicht das Kohlendioxid (CO2) für den Treibhauseffekt verantwortlich, sondern Wasserdampf. Mit dieser Aussage traf Klaus Albrecht beim Publikum einen Nerv, denn sie ist in der Tat nicht ganz falsch: Solange ausschließlich der sogenannte natürliche Treibhauseffekt berücksichtigt wird, ohne den das Leben auf der Erde nicht möglich wäre, gilt, dass Wasserdampf für den Großteil des Treibhauseffekts verantwortlich ist. In langen Diskussionen im Kreis der Hayek-Mitglieder im Anschluss an den Vortrag wurde zu diesem Punkt der anthropogene Treibhauseffekt, also der von Menschen verursachte, und für Klimaveränderungen entscheidende Treibhauseffekt mehrfach betont. Für diesen ist nämlich das Kohlendioxid hauptverantwortlich, obgleich durch indirekte Effekte, wie etwa den Temperaturanstieg, der zu mehr Wasserdampf führt, der dann wiederum den anthropogenen Treibhauseffekt verstärkt. Ein Teufelskreis.

Schließlich macht Albrecht auf den österreichischen Stromverbrauch aufmerksam. Obwohl Österreich behauptet atomkraftfrei zu sein, importiert das Land Atomstrom aus dem Kernkraftwerk Dukovany in Tschechien im Ausmaß von rund 15% (11TWh/a) der gesamten Jahresleistung. Auch hier appelliert der EDV Fachmann wieder aufmerksam zu sein und die Realitäten zwischen Politik und Physik auseinanderzuhalten. Zuhörerreaktionen zufolge sollte auch der Vortragende diesen Rat mehr beherzigen.