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Veranstaltungsreport: Werden wir immer ärmer?

Werden wir immer ärmer?

Victoria Schmid

Buchpräsentation von Andreas Tögel

Inflation. Warum das Leben immer teurer wird

Das neueste Buch von Andreas Tögel erschien zwar erst im Frühjahr, doch überschlugen sich seither die Ereignisse bereits dramatisch. Standen zu Beginn der Inflationsperiode noch 5% im Raum, die laut Christine Lagarde nur vorübergehend sein würden, so wissen wir jetzt, dass sich beides nicht bewahrheitete. Die Inflation stieg über die veranschlagten 5% hinaus und das dauerhaft. Putins Angriff auf die Ukraine löste diese Inflation zwar nicht aus, war aber an der Steigerung beteiligt.

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Was ist Geld?

Geld ist ein Tauschmittel, das die Bezahlung von Arbeitsteilung und Warentransfer erleichtert. Wenn man sich darauf verlassen kann, dass ein Medium (Papier, Kaurimuscheln, eine Unze Gold, etc.) dauerhaft einen bestimmten Wert hat, dann fördert das System den Wohlstand. Anfangs wurden Waren verwendet, die jeder brauchen konnte, bis sich schließlich Papiergeld herauskristallisierte, das als Surrogat für die hinterlegten Waren (Gold, etc.) und damit als Schuldschein diente. Solange das Verhältnis zwischen Papier und den hinterlegten Waren gleichblieb, konnte es keine Inflation geben, denn die Waren konnte man nicht beliebig vermehren.

In seinem Vortrag zog Andreas Tögel Gold dem nicht werthaltigen Papiergeld vor. Papierwährungen verloren ihre Stabilität als Richard Nixon 1971 am Höhepunkt des Vietnamkrieges die Bindung des Dollars an die Goldreserven des Landes aufhob. Auslöser war Frankreich, das sich seine Dollarbestände in Gold auszahlen ließ und aus Angst weitere Staaten könnten diesem Beispiel folgen, wurde die Goldbindung aufgelöst. Reaktionen aus dem Rest der Welt gab es damals keine. Als Resultat explodierten die Geldmengen weltweit, besonders in den letzten Jahren aufgrund von Corona und des Krieges in der Ukraine.

Die Ursachen

Ludwig Erhardt, Architekt des deutschen Wirtschaftswunders, betonte, Inflation sei kein Naturereignis, sondern politisch verursacht. Wenn Banken Geld drucken und die Kreditvergabe ausweiten, stimmt das Verhältnis von Güter- und Dienstleistungsangebot auf der einen Seite und Geldangebot auf der anderen Seite nicht mehr überein und die Preise steigen.

Eine wesentliche Rolle spielte der Wohlfahrtsstaat. Der Staat eignete sich im Laufe der letzten 120 Jahre immer mehr Bereiche an, für die er behauptete zuständig sein zu müssen und die Menschen gewöhnten sich daran. So wurde z. B. die Sozialversicherung zur Selbstverständlichkeit. Mit der Ausweitung des Sozialstaates wurden auch die Ansprüche immer größer und damit stieg der Geldbedarf.

Die Maßnahmen zum Teuerungsausgleich setzten noch eines drauf: Helikoptergeld in mehreren Wellen. Jede Interessensgemeinschaft wollte so viel wie möglich für ihre Klientel herausholen und so wurde zusätzliches Geld angekündigt. Den Empfängern war oft nicht klar, dass diese Maßnahmen in der Zukunft jemand bezahlen muss.

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Die Lösung?

Eine Steuererhöhung war und ist keine gute Idee. Rechnet man alle Steuern zusammen, bezahlen derzeit die Menschen ca. zwei Drittel ihres Einkommens an den Finanzminister. Die Steuerlast ist nicht unendlich erweiterbar. Die berühmte Laffer Curve zeigt, dass die Einnahmen ab einer bestimmten Höhe sinken, weil Vermeidungsstrategien zunehmen.

Schulden lassen sich ebenfalls nicht unbegrenzt aufnehmen. Ab einem gewissen Schuldenniveau wird die Zinslast problematisch.

Bleibt die Geldproduktion. Noch ist das Vertrauen in die Währung nicht verloren. Eine Währungsreform würde den Mittelstand allerdings viel kosten.

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Die Konsequenzen

Die negativen Konsequenzen ließen länger auf sich warten, als von Austrians erwartet. Seit einiger Zeit stiegen auch Assetpreise, Immobilien, Aktienkurse, etc. Geld, das nicht für den Konsum verwendet wurde, wanderte in Anlagegüter.

Die Konsequenz der derzeitigen 10% Geldentwertung wäre ein Wertverlust von rund 27% innerhalb von drei Jahren – wenn es so bleibt. Das Geldvermögen der österreichischen Bevölkerung schrumpft demnach, ausgehend von einem kumulierten Bruttogeldvermögenssumme von 675 Mrd. Euro, also um um € 67 Mrd. jährlich. Diese Entwicklung trifft vor allem die Generation „Baby Boomer“, die jetzt in Pension geht. Deren Erwartung in der Pension ohne finanzielle Abstriche leben zu können, wird sich nicht erfüllen: Firmenpensionen sinken von Jahr zu Jahr.

Die Möglichkeit, Eigentum zu schaffen, nimmt ab. Früher konnten sich auch einfache Leute eine Eigentumswohnung erarbeiten, was heute kaum mehr möglich ist.

Bei Preissteigerungen von bis zu 40% innerhalb kürzester Zeit, ist das Geld im Geschäft nicht mehr so viel wert wie tags zuvor am Bankomaten. In seinem Vortrag befürchtete der Autor große gesellschaftliche Probleme. Wenn eine Hyperinflation das Ersparte der Leute auffrisst, oder die Wohlfahrtszahlungen ausbleiben, dann ist mit Aufständen zu rechnen.

Die Alternative

Der Autor zitierte Hayek und dessen Buch „Denationalization of Money“. Hayek kritisierte darin das Monopol des Staates, Geld zu produzieren. Ein Monopol nutzt nur dem, der daran verdient: das Produkt ist teuer, die Qualität niedrig. Ohne Wettbewerb besteht kein Anlass, das Produkt zu verbessern. Doch es ist unwahrscheinlich, dass Staaten das Machtinstrument Geld aus der Hand geben werden.

Andreas Tögel schlug vor, Kryptowährungen als Alternativen heranzuziehen. Bitcoin beispielsweise ist limitiert auf 21 Millionen Einzelcoins und ist damit nicht inflationierbar. Wann werden Staaten Kryptowährungen als ernstzunehmende Alternative zu ihren Monopolwährungen ansehen und wie werden sie reagieren? Viele Entwicklungen sind möglich, doch zur Zeit ist alles offen.

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Das Neue Buch von Andreas Tögel ist auch in unserem Webshop erhältlich.

Die Meinungen, die hier auf hayek-institut.at veröffentlicht wurden, entsprechen nicht notwendigerweise jenen des Hayek Instituts.

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